Selfkant-Isenbruch: Ein Weltreisender in Sachen Pferdesport

Selfkant-Isenbruch : Ein Weltreisender in Sachen Pferdesport

Umgeben von saftigen Weiden liegt Gut Schaesberg im westlichsten Winkel der Republik, in Isenbruch. Liebevoll gehegt und gepflegt haben hier rund 20 Friesen ein Zuhause gefunden. Wer jetzt jedoch glaubt, es könne sich vielleicht um einen Seniorenstift für des Meeres müde Nordländer handeln, der irrt.

Denn die prächtigen Kaltblüter, die auf dem Gehöft von Dr. Ben Horsmans zu finden sind, sprühen geradezu vor Lebensfreude. Die Pferdezucht ist für den 53-Jährigen und seine Frau Pytsje van der Velde aber eigentlich nur ein Hobby. Wohl ebenso wie der Umstand, dass der Niederländer mittlerweile ein Weltreisender in Sachen Pferdesport ist.

Der Pferdefachtierarzt ist ein gefragter Experte und betreut bereits seit Jahren niederländische Nationalmannschaften. Am Dienstag geht sein Flieger Richtung Malaysia, denn dort wird er das Nationalteam bei der Weltmeisterschaft im Distanzreiten begleiten.

Horsmans, der seit 1988 eine Tierarztpraxis in Höngen betreibt, wurde der Umgang mit Pferden geradezu in die Wiege gelegt. „Wir haben zuhause immer Ponys gehabt. Ich stamme von einem Bauernhof im niederländischen Maria Hoop. Mein Vater war Bauer und Politiker. Es standen einige Arbeitspferde im Stall.”

Horsmans selbst absolvierte ebenfalls zunächst eine Ausbildung zum Landwirt, ehe er sich dem Studium der Veterinärmedizin widmete. Seine Examina legte er in Uetrecht und in den USA ab. Dort arbeitete er insgesamt etwa zwei Jahre unter anderem in Colorado, Kentucky, Kalifornien und Virginia. Wieder daheim in den Niederlanden, lehrte er 15 Jahre lang am Nationalzentrum für Pferdesport in Deurne.

Mit den Europameisterschaften in Schweden habe vor 15 Jahren sein Engagement auf internationaler Ebene begonnen, erinnert sich der 53-Jährige. „Das Schöne dabei war, dass ich da meine Frau kennen gelernt habe. Sie arbeitete damals als Pferdepflegerin für das niederländische Team.”

Mittlerweile kann Horsmans seine Einsätze für die Nationalteams kaum noch zählen. 2002 waren es die Weltreiterspiele in Spanien, 2003 reiste er zum Worldcup im Distanzreiten nach Dubai, 2005 folgte an gleicher Stelle die Weltmeisterschaft, 2006 stand das Distanzreiten bei den Weltreiterspielen in Aachen auf dem Plan, 2007 die Weltmeisterschaft der Zweispänner in Polen und gerade erst im September die Weltmeisterschaften der Vierspänner in Holland.

In Malaysia herrsche momentan Regenzeit, erzählt Horsmans. Die Temperaturen lägen etwa bei 25 bis 26 Grad Celsius. Die fünf Pferde der Niederländer könnten sich bereits sei Montag letzter Woche vor Ort in Terengganu an das Klima gewöhnen. Ebenso wie ihre übrigen 137 vierbeinigen Kollegen, die für die 160 Kilometer lange Distanz aus 34 Nationen angemeldet wurden. Es handele sich um vier Araber-Vollblüter und einen russischen Akaltheken, sagt Horsmans. Zwei Hengste und drei Stuten. „Die Araber sind die älteste Pferderasse der Welt. Alle Pferde stammen im Prinzip von ihnen ab. Die Rasse wurde schon viel länger selektiert auf Härte, Ausdauer und Gesundheit. Zudem seien die Pferde kleiner und aerodynamischer gebaut als andere. Ein Warmblüter könne eine solche Anforderung nicht meistern.

Laut Regelstatut sind die 160 Kilometer innerhalb eines Tages zu absolvieren. Damit die Strapazen für Mensch und Tier allerdings nicht zu groß sind, findet das Rennen quasi in der Nacht statt. Der Startschuss fällt am Donnerstag, 6. November, 17 Uhr. Bis zum nächsten Morgen, um 9 Uhr muss alles vorbei sein. „Das bedeutet für die Tiere eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa zwölf Stundenkilometer. Der Weltrekord liegt bei 24 Kilometer pro Stunde.”

Die maximale Strecke, die an einem Stück zurückzulegen ist, beträgt 28 Kilometer, denn es handele sich nicht um ein Start/Ziel-Rennen. Insgesamt werden die Pferde siebenmal - immer wieder am Ausgangspunkt in Terengganu - während des Rennens gesundheitlich untersucht. Schon einen Tag vor dem Start werden Puls, Atmung, Temperatur, Schleimhäute, Darmgeräusche und Bewegungsapparat nebst Muskeln und Sehnen geprüft. „Für jedes Pferd dauert das etwa eine halbe Stunde. Um sich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren, benötigen die Pferde mindestens vier Jahre.” Ihr Durchschnittsalter betrage zwischen sieben und zehn Jahren.

Wenn ein solches Distanzrennen in Dubai oder Malaysia starte, erklärt der Veterinär, spiele auch stets eine politische Botschaft eine Rolle. So wollten der König von Malaysia, der das Turnier ausrichte, und sein Freund Sheik Mohammed bin Rashid al Maktoum von Dubai aller Welt die Stärke ihrer Pferde und Reiter beweisen. Beide seien daher bemüht, das Distanzreiten zur olympischen Disziplin werden zu lassen.

Die Teilnehmer des Distanzrittes, beinahe ausschließlich Amateure, wie Horsmans weiß, freuten sich vielmehr über die Ehre der Teilnahme und das Preisgeld von insgesamt 100.000 Dollar. Und wenn der Weltreisende in Sachen Pferdesport wieder zurück in Isenbruch ist, stehen schon die Vorbereitungen auf die nächsten internationalen Einsätze an: 2009 geht es zur Europameisterschaft im Distanzreiten nach Ungarn und zur WM der Zweispänner. Ach, ja, und dann sind da ja auch noch die Weltreiterspiele in Kentucky...