Erkelenz: Ein selbstverliebter „Amadeus”

Erkelenz : Ein selbstverliebter „Amadeus”

. „Genie, Wahnsinn, Intrigen und Neid” versprach die Theater-AG der Realschule in ihrem Stück „Amadeus”, mit dem sie im Forum des Schulzentrums an zwei Abenden das Publikum begeisterte. Das Drama zählt zu den bekanntesten Werken des britischen Bühnenautors Peter Shaffer und wurde Anfang der 80er Jahre erfolgreich von Milos Forman verfilmt.

Was die Schüler der neunten und zehnten Klassen unter der Leitung von Bettina Pfeifer erarbeitet hatten, hatte jedoch einen absolut eigenständigen Charakter und überzeugte das Publikum.

Erzählt wurde die Geschichte des musikalischen Ausnahmetalents Mozart aus der Perspektive des ehemaligen Wiener Hofkapellmeisters Antonio Salieri, gespielt von Wiebke Färber. Salieri erinnert sich am Ende seines Lebens an seine überaus negative Beziehung zu Mozart, die von Neid und Missgunst geprägt war.

Der Italiener hat die einflussreiche Stellung des Hofkapellmeisters am Wiener Hof inne, als Mozart in jungen Jahren nach Wien kommt. Schnell erkennt Salieri das besondere Talent des jungen Egomanen und beginnt gegen ihn zu intrigieren. Den jungen Mozart spielte Matheus Mazur. Er verstand es gut, einen selbstverliebten und nonkonformistischen Musiker darzustellen, den man ebenso lustig wie abstoßend finden konnte.

Salieri kommentierte die Szenen rückblickend und konnte so die Personen durchaus entlarvend beschreiben. Zum Beispiel den nicht ganz so hellen Kaiser Joseph II, den Benjamin Pieper verkörperte.

Als Publikumslieblinge stellten sich schnell die beiden Bediensteten Salieris heraus (Christian Fuchs und Gabriel Hilgers), die unbeschwert über die Bühne hüpften und tanzten und manche artistische Einlage boten. Sie waren die Zuträger und ausführenden Organe Salieris, der, von Neid und Missgunst zerfressen, seinen zerstörerischen Plan verfolgte, an dessen Ende Mozarts Tod stand.

Die Kulisse war so spartanisch wie einfallsreich. Sie bestand aus einem Flügel, einer Sitzgruppe und wahlweise aus den Requisiten, die für die entsprechenden Szenen schnell herbeigeschafft werden konnten. Beeindruckend waren auch die Kostüme der Schauspieler, für die Katharina Schwab verantwortlich war. Das Stück ließ durch seine Schnelligkeit und überraschend fantasievolle Inszenierung zu keiner Zeit Langeweile aufkommen.

Von der Auswahl des Stückes bis zur bühnenreifen Probe hatten die Schüler eine Vorlaufphase von rund einem Jahr. Das Ergebnis beeindruckte das Publikum vom Anfang bis zum Ende. Am Ende war man fast geneigt, Mitleid mit Salieri zu empfinden, der längst bemerkt hatte, dass er an Mozarts Talent nicht heranreichen konnte. Die Triebfeder seines Handelns wurde von der Neuntklässlerin Wiebke Färber nachvollziehbar dargestellt.

Durch Tonbandeinspielungen wurde immer wieder der Bezug zu Mozarts Werk hergestellt. Einen Ausflug in die Moderne leisteten sich die Schauspieler in Form von Falcos „Rock me Amadeus”, das etwa in der Mitte des Stückes zu hören war.