Hückelhoven/Erkelenz: Ein reger und offener Dialog der Religionen

Hückelhoven/Erkelenz : Ein reger und offener Dialog der Religionen

Die Funktion bunt bemalter Eier in der Osterzeit und der „Irrgarten” auf dem Kanzeltuch waren nur zwei von vielen Fragen zum christlichen Glauben, die die Gäste des Integrations- und Bildungsvereins in Hückelhoven, einer Moscheegemeinde des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) interessierten.

Pfarrer Günter Wild hatte nach der Visite von Gemeindegliedern der Evangelischen Kirchengemeinde Erkelenz im Herbst vergangen Jahres eingeladen: „Sie sind bei uns herzlich willkommen, unsere protestantisch-christliche Religion näher kennen zu lernen, vor allem aber den begonnenen interreligiösen Dialog weiter zu führen.”

Dieser Einladung sind jetzt zehn Muslime um Mehmet Yilmaz, Chef des VIKZ, gefolgt. Nach einer kurzen Einführung durch Pfarrer Günther Wild in Aufgaben, Aufbau und Strukturen der evangelischen Kirchengemeinde ging´s in die offene, aufschlussreiche Diskussion. Dabei kam unter anderem heraus, dass das Ei in vielen Kulturen Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Erneuerung ist.

Bereits in vorchristlicher Zeit wurden - oft rote - Eier als Fruchtbarkeitssymbole verschenkt. Der Frühlingsgöttin Ostara wurden Eier zum Opfer gebracht. Und der „Irrgarten” auf dem lilafarbenen Passionskanzeltuch ist eigentlich gar kein Irrgarten: Das Labyrinth, bei dem es nur den einen Weg zum Ziel gibt, symbolisiert, dass es nur einen Weg zu dem einen Gott gibt.

Presbyter Herbert Standke referierte kurz zum Finanzmanagement der Gemeinde - und stieß dabei auf sehr reges Interesse der muslimischen Glaubensgemeinschaft: „Ohne Geld läuft bei uns auch nichts”, so der Kommentar von Sadik Dinctürk, Schatzmeister der Hückelhovener Gemeinde. „Da wir keine Körperschaft des öffentlichen Rechts sind und keine Steuergelder erhalten, sind wir ausschließlich auf Spenden angewiesen.”

Kantorin Daniela Müller ließ alle Besucher dann die zentrale Funktion der Musik in der christlichen Religion spüren: Mit ihrem Orgelanspiel erfreute sie auch die muslimischen Gäste, die in ihrem Gebetsverlauf weder Vokal- noch Instrumentalmusik antreffen. Allein der Vorbeter, der Hodscha, rezitiert die Koranverse in den unterschiedlichsten Tonlagen.

Mehmet Yilmaz überreichte abschließend als kleines Dankeschön einen aufwändig gestalteten, ins Deutsche übersetzten Koran. Anschließend ging´s ins Gemeindehaus. Bei Tee, Gebäck und vor allem intensivem Austausch ging´s in die „zweite Halbzeit”.

Fazit: Der Dialog soll fortgeführt werden, angeregt wurde ein Austausch der Frauengruppen und die zukünftige Einbeziehung der Jugend.