Düren: Ein großes, freundliches Volks- und Familienfest zum ersten Mai

Düren : Ein großes, freundliches Volks- und Familienfest zum ersten Mai

Die Stimmung war keines falls aggressiv und auch kein bisschen aufgeheizt. Im Gegenteil: Die Maikundgebung, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund in Düren in den Willy-Brandt-Park eingeladen hatte, glich mehr einem großen, freundliche Volks- und Familienfest.

Die Sonne lachte, die Oldieband „Four Kings” spielte Evergreens, und irgendwie hatten alle gute Laute. Trotzdem hat der erste Mai als „Tag der Arbeit” nicht an Bedeutung verloren, im Gegenteil: Knapp 400 Menschen machten sich laut Polizeiangaben um Punkt zehn Uhr an der Kuhgasse auf den Weg zu einer Demonstration zum Willy-Brandt-Park - unterstützt von der Trommlergruppe „Manos Rapidos”. Motto der Veranstaltung in Düren: „Arbeit und Gerechtigkeit für alle”.

„Wir haben deutlich mehr Teilnehmer als im vergangenen Jahr”, freute sich Karl Panitz, der die Maikundgebung organisiert hatte. Viele junge Leute waren mit von der Partie, aber auch Senioren und im Wahljahr natürlich viele Politiker: Bürgermeister Paul Larue, sein Fraktionsvorsitzender Karl-Albert Esser auch, die SPD-Landtagsabgeordnete Liesel Koschorreck und der SPD-Bundestagskandidat Dietmar Nietan.

Es gab diesmal keinen auswärtigen Redner, Karl Panitz und seine Mitstreiter hatten sich viel mehr entschieden, eine kleine Talkrunde mit Paul Zimmer von der IG Metall, Peter Nießen, Betriebsratsvorsitzender bei Tedrive in Düren, und Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich der Evangelischen Kirche zu veranstalten.

„Wir wollten einfach anstatt einer Rede jede Menge lokalen Bezug”, so Panitz. „Und keinen Redner, der hier die Stimmung aufheizt und uns dann mit den Leuten alleine lässt.”

Und so betonte Peter Nießen, dass die Stimmung bei Tedrive nach den Entlassungen in der letzten Woche „auf dem Nullpunkt” sei.

„Wir haben dem nur zugestimmt, weil unser Großkunde versprochen hat, dem Standort Düren treu zu bleiben, wenn die Firma saniert wird. Und die Entlassung war Teil der Sanierung.” Paul Zimmer sagte, die Finanzkrise sei auch in der Realwirtschaft des Kreises Düren angekommen.

„Die Frage ist: Kommt man mit Kurzarbeit über die Runden oder folgen weitere Massenentlassungen wie bei Tedrive?” Man dürfe diese Krise nicht nur perspektivlos hinnehmen, so Zimmermann, sondern müsse aus den gemachten Fehlern lernen.

„Die Politik muss sich endlich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.” Für Jens Sannig ist es ein Skandal, wenn Menschen von dem Verdienst für 40 Wochenstunden Arbeit nicht existieren können. „Ich befürchte, dass die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Wirtschaft in Zeiten der Kreise zu stützen, nur dafür sorgen, unser altes Wirtschaftssystem wieder fit zu machen. Und dann werden die Menschen noch abhängiger.”