Heinsberg: Ein fesselnder Mix aus Historie und Fiktion

Heinsberg : Ein fesselnder Mix aus Historie und Fiktion

„Die Königin des historischen Romans”, Rebecca Gablé, war am Dienstagabend zu Gast in der Stadthalle Heinsberg, um aus ihrem erst vor vier Wochen erschienenen Buch „Der König der purpurnen Stadt” zu lesen.

In der Tat versteht sie es meisterhaft, Fiktion und historische Gegebenheiten zu mischen. Das mittelalterliche London um 1330 entstand vor dem geistigen Auge des Zuhörers.

Dem Buch liegt eine genaueste Recherche dieser Zeit zugrunde. Die Figuren, ob nun historisch oder fiktiv, wachsen dem Leser ans Herz und es macht Spaß, in diese Zeit hinabzutauchen. Ein fesselnder, lebendiger und farbenprächtiger Roman ist damit der Autorin gelungen.

Rebecca Gablé kam auf Einladung der Buchhandlung Wahlen und war bereits schon einmal zu einer Autorenlesung in die kreisstadt gereist. „Sie hat in Heinsberg schon eine kleine Fangemeinde”, so Waltraud Carell von der Buchhandlung Wahlen.

Die Autorin hatte diesmal bewusst den Titelhelden aus dem Bürgertum gewählt, nachdem ihre beiden ersten Romane „Das Lächeln der Fortuna” und das „Zweite Königreich” in Adels- und Ritterkreisen spielten. Der Titelheld des neuen Buches ist der Tuchhändler Jonah Durham, der nach einigen Auf und Abs, viel Gutes für den König und England tut.

Vier Textstellen wählte die Autorin aus, um den Zuhörern das Buch nahezubringen. Tatsächlich machte sie Lust auf mehr. Jonah Durham, ein Waisenknabe, hat als 18-jähriger Lehrjunge bei seinem Vetter Rupert kein leichtes Leben. Als anständiger junger Mann macht er dem Lehrmädchen, das von Rupert vergewaltigt worden war und nun schwanger ist, einen Heiratsantrag.

Die Großmutter der beiden fordert dann Rupert auf, das Mädchen in London verschwinden zu lassen. Sie bezeichnet den Schritt Jonahs als jugendlichen Leichtsinn. Obwohl daraufhin Jonah nicht mehr mit ihr spricht, vermacht sie ihm ein beträchtliches Vermögen.

Die Liebe zur Königin bleibt heimlich und unerkannt

Nach der Erbschaft soll Jonah für Rupert etwas besorgen. Doch der hetzt ihm zwei Mordgesellen auf den Hals. Allerdings rettet ihm der junge König Edward das Leben. Dies ist ein entscheidender Wendepunkt im Leben von Jonah. Als er die Königin Philippa das erste Mal sieht, entbrennt er sofort in Liebe zu ihr, allerdings bleibt diese heimlich und unerkannt.

Schließlich kommt es zu einem wirklich verbrieften historischen Ereignis, und zwar dass bei Ritterspielen die Königin und andere Hofdamen auf einer Balustrade den Spielen zuschauen wollten. Die Holzkonstruktion stürzte ein, doch die Königin überstand den Unfall ohne Kratzer. Soweit die historische Gegebenheit; dass Jonah im Roman der Retter der Königin ist, passt wunderbar in die erzählerische Fülle, mit der die Autorin Historie und Fiktion mischt.

Zu einem weiteren wichtigen historischen Ereignis kam es dann, als die Königin für das Leben der Zimmerleute auf Knien bei ihrem Mann bittet. Er überlegt lange und schließlich lässt er sie nicht hängen, weil er einsieht, dass es kein Anschlag auf die Königin war, sondern pure Schlamperei. Schließlich fällt auch der Ausdruck „die purpurne Stadt”, gemeint ist damit das London von 1330 bis 1348.

Soweit die Lesung. Dicht gefüllt, packend und spannend mit interessanten Dialogen steht das Mittelalter vor dem geistigen Auge auf. Gablé arbeitet zur Zeit an einem weiteren Roman und überlegt sich, das „Lächeln der Fortuna” fortzusetzen. Allerdings will sie ein bis zwei Generationen überspringen, um „ihre Titelhelden nicht sterben lassen zu müssen”, bekennt sie abschließend.