Wassenberg: Ein denkwürdiges Ereignis im Geist der Ökumene

Wassenberg : Ein denkwürdiges Ereignis im Geist der Ökumene

Der Gottesdienst zum 350-jährigen Bestehen der „Hofkirche” am Reformationstag bleibt ein denkwürdiges Ereignis.

Das gilt nicht nur für die reformierte evangelische Gemeinde, sondern auch im Sinne der Ökumene, denn mit vielen Gemeindemitgliedern aus dem Raume Wassenberg und Dalheim nahmen auch zahlreiche katholische Christen daran inneren Anteil.

Pfarrer Dr. Titus Reinmuth, der die große Gemeinde zusammen mit seinen Amtsbrüdern Superintendent Klaus Eberl und Pfarrer Thomas Bergfeld begrüßte, gab seiner Freude über diese große Anteilnahme besonderen Ausdruck.

Anlass zu diesem Ereignis in der über weite Strecken so leidvollen Geschichte der Gemeinde war das Erinnern an den 13. Mai anno 1652.

An jenem Tag schloss die auf viele Flüchtlinge aus den Niederlanden zurück gehende Gemeinde einen Pachtvertrag mit Petter Weyler über die Anmietung eines zwischen den Höfen versteckt gelegenen Raumes, der als Predigthaus eine herausragende Bedeutung für die evangelische Kirchengemeinde hat.

„Diese Hofkirche zwischen den Höfen war schon zu Beginn eine Kirche der Armen und der Flüchtlinge. Sie wurde es zu Recht wieder mit dem Flüchtlingsstrom aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg und mit den Flüchtlingen aus aller Welt”, stellte Superintendent Klaus Eberl zur Situation der Gemeinde fest, die um 1938 etwa 700 Mitglieder hatte (einschließlich dem Bereich Ratheim), heute aber an die 4000 Christen zählt.

Dieser Situation entsprach auch das Grundthema des Gottesdienstes aus dem Matthäus-Evangelium. „Kommt her zu mir, die ihr alle mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.”

In kurzen Szenen, die durch sparsamen „Kostümwechsel” einer „Kleiderpuppe” symbolisch dokumentiert wurden, stellten Pfarrer Thomas Bergfeld, Kirchmeister Dr. Erwin Ruchatz und ein weibliches Mitglied des Presbyteriums die historische Situation nach.

Die Wassenberger Bäuerin um 1652, die froh darüber ist, den Evangelischen ihre Scheune als Gottesdienstraum überlassen zu können, der Prädikant Johann Klopreis, der sogar in der Georgskirche predigte, durch den Wassenberger Droste Schutz und Hilfe erfuhr und als wichtiger Zeuge für die neue Lehre sogar den Feuertod fand.

Erwin Ruchatz zeichnete den Amtmann Werner von Pallandt als aufrechten, großen Geist der Reformation, der dem Herzog von Jülich die Stirn bot und dafür sein Amt und sein Vermögen verlor. Dieser Werner von Pallandt, dem in Wassenberg eine Straße gewidmet ist, gilt bis zum heutigen Tag in der kleinen Stadt als Sinnbild von Treue und Standhaftigkeit.

In einer tief beeindruckenden Dialogpredigt stellten die beiden Pfarrer Titus Reinmuth und Klaus Eberl die Prinzipien und Leitlinien vor, die Inhalt der reformierten Lehre waren und auch heute noch Leitbilder der Christen sein sollen.

„Doch”, so lautete die Frage, „was ist aus der Freiheit des Geistes und des Gewissens, was ist aus der Freiheit des Menschen vom Gesetz geworden?” Die Bilanz machte betroffen: Gleichgültigkeit, Abhängigkeit von neuen Gesetzen, Mode und Zeitgeist; die verloren gegangene Einheit der Kirche.

„Wir sind starr geblieben in alten Gegensätzen. Anstatt aufeinander zuzugehen, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen.” Am Beginn des dritten Jahrtausends, so schloss der Dialog, gelte das Wort des Evangeliums umso mehr: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.”

Als stellvertretender Dechant knüpfte daran Pfarrer i.R. Josef Heinrichs in seiner Ansprache beim nachfolgenden Empfang im Alten Rathaus an: „Jeder, wo er auch stehen mag in unserer Gesellschaft, steht in der Verantwortung vor Gott und vor sich selber. Dabei soll er die Liebe nicht vergessen, damit wir in Frieden und Freundschaft miteinander leben können.”

Die Glückwünsche der Propsteigemeinde St. Georg überbrachten Propst Rainer Mohren und Propst i.R. Hugo Nießen. Bürgermeister Manfred Erdweg überbrachte die Wünsche aller Bürger der Stadt Wassenberg, desgleichen Bürgermeisterin Hedwig Klein für die Bürger der Stadt Wegberg.

Alle überraschten mit einem sinnvollen Geschenk zu diesem besonderen Tag der Erinnerung: Mit einem Geldbetrag, der die Restaurierung der Luther-Bibel von 1686 ermöglichen soll. Bürgermeister Erdweg: „Dafür wollen wir uns einsetzen, denn diese Bibel ist ein wichtiges Kulturzeugnis für unsere ganze Stadt.”