Oberbruch: Eiertreter, Stelzenläufer und Zungenküsser

Oberbruch : Eiertreter, Stelzenläufer und Zungenküsser

Ein Jubiläum, wie es die Karnevalsgesellschaft „Brööker Waaterratte” in dieser Session mit ihrem 75-jährigen Bestehen feiert, ist stets ein Anlass für Chronisten sich auf die Suche zu begeben.

So ist es auch in Oberbruch, wo Hanns Back und Peter Hutmacher nicht nur als „Redaktion” dafür sorgten, dass eine lesenswerte Festschrift zum Jubiläum erschien.

Doch schon vor der Gründung der Waaterratte, so entdeckten die Chronisten bei ihren Recherchen, waren karnevalistische Umtriebe in Oberbruch vorhanden. Zwei wertvolle historische Stücke sind zwei Karnevalszeitungen, die sie quasi „ausgegraben” haben.

Vermutlich aus dem Jahre 1925 stammt das eine, dem Jahre 1926 wird das andere Exemplar zugeschrieben. Der Titel der vermutlichen älteren Zeitung lautet „Et Wäschwief”. Sie wurde mit dem Untertitel versehen „Organ für karnevalistischen Quatsch”.

Es dürfte nicht nur die Karnevalisten interessieren, was damals so im Mittelpunkt des Interesses stand. So beschäftigt sich ein Artikel mit „Kanalfragen”.

Mit dem Hochwasser in Oberbruch beschäftigt sich auch die Rubrik „Lokales”. Heißt es doch hier, dass der „Stadtrat” die Leute zur Kirche und zum Frühschoppen fahren werde. Ein Einwohner habe in der „reißenden Flut” seinen Hut trotz mutigen Einsatzes des Schwimmers namens „Jupp” verloren.

In der Spalte „Eingesandt” sind Vorhaltungen zu lesen, dass der Stadtrat noch immer nichts gegen das Hochwasser getan habe und mit dem Wegebau zwischen Grebben und Heinsberg noch immer nicht begonnen worden sei, weil man die benötigten 12.000 Mark zu „Wohltätigkeitszwecken und Bedürfnisfragen” verwenden wolle.

Im Sportteil ist zu lesen, dass sich sämtliche Sportvereine der Industriegemeinden Oberbruch-Grebben zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen hätten, um den Bau eines Stadions mit Aschenlaufbahn, Radfahrer-Rennbahn und Fußballspielfeld zu realisieren.

Selbst der Dichtkunst wird hier Raum gegeben. Besondere Beachtung verdient natürlich der Anzeigenteil. Hier werden „hochherrschaftliche Strohsäcke” ebenso feil geboten wie „Modepuppen” oder „Eiertreter”.

Oberbruch liegt abseits von Gut und Böse

Die zweite Narrenzeitung mit Datum vom 14. Februar 1926 ist überschrieben „Der Fastelovensjeck”. Als Redakteur zeichnete Joe Barthus.

Zukunftsweisend schon damals die Ortsbeschreibung: „Oberbruch, die vielgerühmte Industriestadt, liegt zwischen Süd- und Nordpol im Kreise Europa, Landbezirk Deutschland, also abseits von Gut und Böse”.

Den Dremmenern wird im Blatt geraten, doch den Stelzenlauf zu lernen, um auch bei Hochwasser zur Fabrik nach Oberbruch kommen zu können.

Im Anzeigenteil findet sich so manche Kuriosität, darunter die Ankündigung eines „großen Radio-Konzerts” in einem Lokal. Dort wird, so verspricht die Anzeige, zu jedem Glas Bier auch noch eine Pfefferminztablette kostenlos abgegeben. Ein „Akrobat und Zungenküsser” bietet ebenfalls seine Kunst an.