Städteregion: E-Mobilität in der Städteregion hängt vom Ausbau des Ladenetzes ab

Städteregion : E-Mobilität in der Städteregion hängt vom Ausbau des Ladenetzes ab

Wenn die öffentliche Grundversorgung, wirtschaftliche Interessen und Zukunftsprognosen inhaltlich zusammentreffen, ist Sachlichkeit dringend geboten. Bei der Diskussion um die Energiewende und der dazu notwendigen Infrastruktur kommt diese mitunter zu kurz, und es werden schnell Blackout-Szenarien bemüht.

Die Städteregion hatte deshalb mit RWTH-Professor Dirk Uwe Sauer einen Experten auf dem Gebiet der Stromnetze und Energieversorgung zum öffentlichen Diskussionsforum eingeladen.

Thomas Pilgrim, Leiter des Umweltamts der Städteregion (l.) und Dirk Uwe Sauer, RWTH-Professor für elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik. Foto: Rolf Hohl

Sauer, der in Aachen zu elektrochemischer Energiewandlung und Speichersystemtechnik lehrt, warnte insbesondere vor den höheren Schwankungen, denen das Stromnetz in Zukunft ausgesetzt sein werde. Das liege einerseits an der ungleichmäßigeren Einspeisung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie und andererseits am Verbrauch.

Hier werde vor allem die Elektromobilität die Netze vor eine Herausforderung stellen. Denn wenn künftig alle Nutzer eines E-Autos abends gleichzeitig ihre Fahrzeuge laden, könnte dies tatsächlich zu einer Überlastung führen. Allerdings sei dies eine unrealistische Annahme und relativ einfach zu verhindern, wenn die Ladevorgänge intelligent gesteuert werden, so Sauer. „Das könnte bedeuten, dass zuerst alle leeren Batterien auf 50 Prozent gebracht werden, und dann alle Autos schrittweise voll aufgeladen werden.“

Koordinierte Ladevorgänge

Wenn die Ladevorgänge so koordiniert würden, betonte Dirk Uwe Sauer, reichte bereits das bestehende Stromnetz mit seinen möglichen Spitzenbelastungen aus. Diese liege derzeit bei rund drei Kilowattstunden pro Haushalt, während der durchschnittliche Verbrauch gerade einmal 0,37 Kilowattstunden betrage. Damit die Elektromobilität in der Breite verwirklicht werden könne, brauche es aber eine Entscheidung des Staates, um die Ladeinfrastruktur konsequent und flächendeckend aufzubauen, sagte Sauer.

In der Diskussion mit den rund 60 Gästen des Forums kam auch die Frage nach dem Kraftstoff der Zukunft auf, da neben dem rein elektrischen Antrieb auch solche mit Wasserstoff oder Biokraftstoffen entwickelt werden. Hierbei werde sich vermutlich das sogenannte Plug-in-Hybrid-Modell durchsetzen, prognostizierte Sauer.

Dieses kann eine bestimmte Distanz mit rein elektrischem Antrieb zurücklegen und wechselt dann beispielsweise in den Betrieb mit Verbrennungsmotor. „Selbst wenn diese Modelle nur eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern hätten, könnten damit rund 63 Prozent der Kraftstoffe substituiert werden.“

Auch über die sogenannten Super- und Ultra-Schnellladesysteme, die innerhalb weniger Minuten große Autobatterien vollständig aufladen können, wurde an diesem Abend diskutiert. Diese Stationen seien aufgrund der extremen Spitzenbelastung für das Netz nichts, was mitten in eine Wohngegend gestellt werden könne. Aufgrund der technischen Anforderungen und den damit verbundenen Kosten seien solche System wohl nur etwas für teure Oberklassewagen.