Wegberg: DRK-Aktion „Kinder helfen Kindern”

Wegberg : DRK-Aktion „Kinder helfen Kindern”

„Wer von euch hat denn Angst vor Spritzen?”, fragt Willem Hoffmanns vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in die lebhafte Runde.

Anscheinend keiner. Die Vorstellung von einem kleinen Pieks lässt die Kinder völlig kalt. „Da zuck ich nicht mal mit der Wimper”, erklärt Timo seinem Nachbarn Philip.

Ganz Mann bestätigt der Zehnjährige: „Die merkt man ja sowieso nur eine Sekunde lang.” „Das tut auch überhaupt nicht weh”, schaltet sich Vanessa, die Frau des Dreier-Clans, ein.

Nach dem kurzen Meinungsaustausch widmen sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Ausbildungsleiter. Willem Hoffmanns besucht im Rahmen der Aktion „Kinder helfen Kindern” die Klasse von Petra Wallrafen in der Erich-Kästner-Grundschule.

Bevor der Ausbildungsleiter des Deutschen Roten Kreuzes den Kinder die „Hits” zeigt, ist erst einmal der Beatmungsbeutel an der Reihe, den er auch an die Sauerstoffflasche anschließt. „Wonach riecht das denn?”, fragt er die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse. „Nach Sauerstoff”, gibt Philip spontan zur Antwort. Ist doch klar. „Ein bisschen nach Schwimmbad”, beschreibt Vanessa den Geruch.

40 000 Unfälle melden deutsche Grundschulen im Jahr. Bevor Erwachsene und professionelle Helfer eintreffen, können Kinder, die sofort zur Stelle sind, ihren verunglückten Klassenkameraden helfen.

Deswegen hat das Deutsche Rote Kreuz die Aktion „Kinder helfen Kindern” ins Leben gerufen. Aus dem Kreis Heinsberg haben sich neun Schulen an der Aktion beteiligt, eine davon ist die Erich-Kästner-Grundschule.

Um sich wirklich vorbereiten zu können, wurde der Lehrerin Petra Wallrafen Unterrichts- und Verbandsmaterial zur Verfügung gestellt. „Fast einen Monat lang haben wir das Thema im Sachkundeunterricht durchgenommen”, erklärt Wallrafen. Die Kinder seien von der ersten Minute an begeistert gewesen, habe die Aktion doch viel Praktisches beinhaltet.

Das können die Kinder jetzt anwenden. Pia ist gerade dabei, Franziska in die stabile Seitenlage zu befördern. „Das können die meisten Erwachsenen nicht”, erzählt Hoff- manns den Mädchen.

Zur Belohnung holt er endlich den ersten „Hit” hervor, auf den die Kinder gewartet haben. „Das Schockgerät”, raunt es durch die Klasse, ebenso fasziniert wie ehrfürchtig.

Auf die Frage, woher die Kinder das denn kennen würden, erhebt sich ein wildes Stimmengewirr, aus dem Titel wie „Schwester Stefanie” oder „Medicopter 117” zu hören sind. „Das ist in der Wirklichkeit aber nicht so wie im Fernsehen”, klären Willem Hoffmanns und der Rettungsassistent Alexander Altmann die kleinen Nachwuchs-Sanitäter über den höchst seltenen Einsatz der Defi-Paddles auf.

Trotzdem scheint den Schülerinnen und Schülern die Bewunderung aus den Augen. Das ist es, worauf sie gewartet haben. So gerne, wie sie es alle berühren möchten, so zögerlich findet sich jemand, der das Versuchskaninchen spielt und sich die EKG-Elektroden anlegen lässt.

Heiko ist mutig. Der Ausbildungsleiter misst bei dem aufgeregten Jungen einen Puls von 103. Der schnellt bei den Restlichen ebenfalls nach oben, als die Worte „Blaulicht” und „Sirene” fallen.

Denn die Mitarbeiter des DRK haben nicht nur Utensilien wie Vakuummatratze und Arztkoffer mitgebracht, draußen vor der Tür wartet der nächste Hit: ein echter Rettungswagen.

25 Kinder drängen in das Fahrzeug. Und dann der Höhepunkt des Tages: Für wenige Sekunden schaltet Hoffmanns das Martinshorn ein. Zur Verwunderung aller ertönt es weiter, als er es wieder abstellt - ein Rettungswagen im Einsatz in der Nachbarschaft.

Die Aufregung reißt auch nicht ab, als plötzlich ein Notarztwagen kommt und vor der Schule hält. „Da kommt ja noch einer zu Besuch”, kreischen die Kinder voller Freude. Doch Fehlalarm, er sucht eine andere Schule. Schnell schütteln ein paar Kinder dem Arzt auf dem Beifahrersitz die Hand. Ein kleiner Gruß - unter Kollegen . . .

Der Ausbildungsleiter des DRK Erkelenz besucht sowohl Kindergärten als auch Schulklassen. Interessenten können sich unter 02431/802115 melden.