Heinsberg: Drei Sakramente spendet Weihbischof Dicke zwei JVA-Gefangenen

Heinsberg : Drei Sakramente spendet Weihbischof Dicke zwei JVA-Gefangenen

Taufe, erste heilige Kommunion und Firmung: Gleich drei Sakramente spendete Weihbischof Dr. Gerd Dicke jetzt zwei Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg im Rahmen einer heiligen Messe in der Gefängniskapelle. Einen weiteren Gefangenen firmte er.

In einem kurzen Evangelium sprach er zu den Täuf- und Firmlingen vom guten Hirten und von den Schafen. Gott wolle den Menschen damit Leben, Mut und Kraft geben, so der Weihbischof. „Ihr habt Hoffnung, wenn ihr hier rauskommt”, betonte er in seiner Predigt.

Wasser für die Taufe und Öl für die Firmung seien ganz einfache Zeichen, mit denen Jesus zeige, dass er bei den Menschen sei und ihnen sein Leben schenke. Das Fürbittgebet ging dabei auch auf die aktuelle politische Situation ein: „Hilf den Politikern bei den anstehenden Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen, dass auch im Gefängnis der Mensch im Mittelpunkt stehen muss und nicht nur Sicherheit und Ordnung.”

Nach der Messfeier dankte Pfarrer Marian W. Janke seinem evangelischen Kollegen Norbert Tillmannshöfer und Pastoralreferent Friedel Beiten für die Unterstützung bei der Vorbereitung sowie allen Freunden aus Broichweiden und Linnich sowie aus den benachbarten Pfarrgemeinden Karken, Kempen und Kirchhoven, die seiner Einladung gefolgt waren.

Applaus gab es für Michael und Markus Pelzer aus Kirchhoven, die den Gottesdienst mit Orgel und Trompete musikalisch gestaltet hatten, sowie für Thorsten und Corinna Wolters aus Kempen, mit denen erstmals Messdiener bei einem Gottesdienst in der JVA zugegen waren. Begleitet hatte die heilige Messe schließlich auch ein Filmteam, das einen Dokumentarfilm über Gefangene dreht. „Der erste in Deutschland über einen Knast, wo nicht in irgendeiner Form der Puderzucker der Anstaltsleitung drüber ist”, betonte Janke.

Er selbst ist Tauf- und Firmpate von einem der drei Gefangenen. „Ich wollte schon als kleines Kind getauft werden”, berichtete dieser am Rande der kleinen Feier im Kreise von Angehörigen, die sich an die Messe anschloss. Aber seine Eltern hätten ihm gesagt, das solle er entscheiden, wenn er alt genug sei. „Jetzt sehe ich die Taufe als Neuanfang für mich selbst”, erklärt er. Drei Jahre sitzt er schon ein in der JVA Heinsberg, bis 2009 muss er sicher noch bleiben. Derzeit absolviert der 22-Jährige hier eine Ausbildung zum Teilezurichter. Er habe selbst die Nähe zu Gott gesucht.

Und auch zu seinem Paten baue er jetzt eine noch engere Beziehung auf. „Ich hoffe, dass ich so jetzt bessere Entscheidungen treffen kann, als ich sie draußen getroffen habe”, sagt er. Marian W. Janke will sein Paten-„Kind” jetzt auf seinem Lebensweg weiter begleiten. „Wir machen das schon!”, drückte er ihm optimistisch die Hand.