Hückelhoven: Drachenfliegen mit Dach über dem Kopf

Hückelhoven : Drachenfliegen mit Dach über dem Kopf

Drachenfliegen ohne Wind und mit einem Dach über dem Kopf - geht denn so was überhaupt? Wer die Dreifach-Sporthalle In der Schlee besucht hat, der weiß jetzt: Ja, und wie das geht!

Nennt sich zu neudeutsch Indoor-Kiting und kommt ursprünglich aus den USA. Aber auch hier zu Lande erfreut sich die ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung großer Beliebtheit, wie die Mitglieder des Drachenclubs Grisu aus Titz-Ameln beim 1. Hückelhovener Indoor-Kite-Event zum Abschluss des Schaufenster-Wettbewerbes der Stadtmarketing GmbH eindrucksvoll demonstrierten.

Denn im Gegensatz zu ihrem Namensgeber, dem kleinen, grünen Lindwurm mit den winzigen Flügelchen, beherrschen sie das Drachenfliegen auf vorbildliche Weise. Allein die Körperbewegungen von Windvogel-Akrobaten reichen aus, um die superleichten Gebilde abheben zu lassen.

Weder der mit Musik untermalten Choreographie ihrer Auftritte noch der Bauweise ihrer zumeist eigenhändig konstruierten Flugobjekte scheinen irgendwelche Grenzen gesetzt. Es gibt solche in Form von Wikinger-Schiffen und Adlern ebenso wie solche, die sich streng an geometrische Formen - zum Beispiel Tetraeder - halten.

Die einen sind traditionell aus Fahnenstoff und Holz gebastelt, die anderen bestehen aus Glasfaser-Stäben und speziell beschichteter Spinnaker-Seide. Eines aber vereint die Drachen: Flugtauglich sind sie alle und zudem widerstandsfähiger, als sie ausschauen. Ob sie sich weich und sanft durch die Lüfte schwingen oder eher energisch und ausdrucksstark, bestimmt allein der Drachen-Lenker.

Während Flugkünstler - einer ist gar aus Luxemburg angereist, andere aus Köln, Kerpen und Wuppertal - mit ihren Ein-, Zwei- und sogar Vierleinern am laufenden Band geschickte Manöver einleiten, weilt der Grisu-Vorsitzende Heinz-Jürgen Backes in den Zuschauer-Rängen und widmet sich dem Basteln von Mini-Modellen.

Die bestehen, verrät er, aus Apfelsinen-Papier und Plastik-Resten aus dem Modellbau, die er kurz erhitzt und routiniert in die gewünschte Form zieht. Sie bilden später die kreuzförmigen Streben zur Stabilisierung. Nebenbei berichtet Backes: „Für uns ist das Streben nach Größe und Schönheit nicht das Wichtigste, sondern das Basteln selbst und der Spaß an der Sache.”

Er hoffe sehr, dass Zuschauer ähnlich empfinden. Diese dürfen, wenn sie denn mögen, selbstverständlich auch mal ihr Geschick im Umgang mit den Windvögeln ausprobieren.

Die 48 Club-Mitglieder sind ebenfalls im Outdoor-Bereich aktiv. Schlechtes Wetter, so ist zu erfahren, gibt´s überhaupt nicht getreu dem Motto „Drachenzeit ist jederzeit”. Einmal im Jahr veranstaltet der Familienverein ein Drachenfest sowie eine Drachenbauaktion. Mehr als hundert Meter Leine seien allerdings nicht erlaubt, weißt der Vorsitzende.

Es sei denn, Himmelsstürmer würden eine Sondergenehmigung beim Regierungsbezirk beantragen und nahe gelegene Groß-Flughäfen in Kenntnis setzen. Denn: Durchaus könne so ein Winddrachen in einem Höhenbereich von 900 Metern auf dem einen oder anderen Radarschirm auftauchen.