Heinsberg: Dr. Heiner Geißler: Kantig und humorvoll

Heinsberg : Dr. Heiner Geißler: Kantig und humorvoll

Immer noch ist Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a.D., ein durch und durch politischer Mensch, der etwas zu sagen hat und dem die Menschen auch voller Interesse zuhören.

Die gut gefüllte Heinsberger Christuskirche war dafür am Freitag Abend ein weiterer Beweis. Auf Einladung der Buchhandlung Gollenstede und der evangelische Kirchengemeinde stellte Geißler sein neuestes Buch „Was würde Jesus heute sagen?” vor. Zwar gehört er inzwischen nicht mehr dem Bundestag an, doch bleibt Geißler sich selbst treu, auch mit 73 Jahren: kantig, manchmal ein wenig bissig, aber auch humorvoll.

In Heinsberg war er nicht der Rezitator seines Buches, sondern Erzähler und Gesprächpartner, so, wie ihn Pfarrer Joachim Lyhs eingangs gemeinsam mit Reiner Gollenstede begrüßt hatte. 25 Jahre im Bundestag sowie vielfältige Aufgaben und Ämter, die er teilweise heute noch inne hat, haben den Hobby-Gleitschirmflieger, Bergsteiger und Kletterer geprägt, der sogar einen eigenen „Fan-Club” aus Aachen nach Heinsberg gelockt hatte.

Schon als Jesuiten-Schüler habe er sich für die Politik interessiert, erzählt er seinen Zuhörern. Dass er nicht wie zunächst geplant, Priester wurde, lag an den Gelübden, die er nicht alle einhalten konnte. „Es war allerdings nicht das Gelübde der Armut, an dem ich scheiterte”, bekannte er freimütig zu Erheiterung seines Auditoriums.

In seinem Buch geht es um die politische Dimension der Botschaft Jesu im Neuen Testament, nicht um die Fragen des Glaubens. Von den Mächtigen der Welt, angefangen bei Papst Urban und dem blutigen Kreuzzug im Namen Jesu, wurde der Glaube und damit der Name Jesu immer wieder missbraucht.

„Busch beruft sich auf Gott und die Bibel und schickt ein christliches Heer in das Zentrum der muslimischen Welt” übt er offene Kritik an die Begründung des amerikanischen Präsidenten für den Irak-Krieg. „Hier hat man wohl das Alte Testament gelesen”.

Dr. Heiner Geißler hat das Neue Testament nicht nur mit Blick auf die politischen Aussagen gelesen, sondern sich auch mit nach seiner Auffassung fehlerhaften Übersetzungen auseinander gesetzt.

Als Beispiel gehrt er unter anderem auf die „Bergpredigt” ein, wo die wörtliche Übersetzung nicht Buße und Unterwerfung fordere, sondern vielmehr ein Umdenken. Jesus rufe nicht zur Feindvernichtung auf, sondern zur Versöhnung.

Vieles, ja fast alles war im Neuen Testament zu lesen ist, lässt sich in unsere Zeit übertragen. So muss der Mensch und nicht das Kapital wieder in den Mittelpunkt gestellt werden, Gewalt darf nur das letzte Mittel sein.

Es fehle an der politischen Ethik, kritisiert Geißler alle aktuellen Parteien und damit auch die Bestrebungen zu einer vermehrten Privatisierung der Vorsorge, die nach seiner Auffassung in Elend führt. Amerika liefere dafür bereits jetzt das Beispiel.