Genua: Diskussion über Unglücksbrücke in Genua hält an

Genua : Diskussion über Unglücksbrücke in Genua hält an

Nach dem Brückeneinsturz in Genua mit Dutzenden Toten geht die Diskussion über Konsequenzen für mutmaßliche Verantwortliche der Katastrophe weiter.

Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi, und Regionalpräsident Giovanni Toti kündigten am Donnerstag an, dass im kommenden Jahr ein neuer Viadukt anstelle des zusammengebrochenen stehen solle. In der Nacht zu Freitag wurden keine weiteren Opfer geborgen. Die Präfektur hat bislang 38 Tote bestätigt. Elf Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Die Katastrophe von Genua ist ein Kollaps, an dem sich mehr entscheiden dürfte, als nur die Zukunft einer Brücke. Hunderte Familien sind obdachlos, sie können wohl nie wieder in ihre Häuser unter dem Unglücks-Viadukt zurück. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

An der Unglücksstelle waren auch in der Nacht noch Hunderte Rettungskräfte im Einsatz, um nach Vermissten zu suchen. Die Chancen, Überlebende zu finden, sind fast drei Tage nach der Tragödie aber schwindend gering. Am Samstag um 11.30 Uhr soll ein Staatsbegräbnis für die Opfer stattfinden.

Ein Lastwagen liegt in den Trümmern des eingestürzten Polcevera-Viadukts. Foto: Luca Zennaro/ANSA

Das Verkehrsministerium richtete eine Kommission ein, die technische Überprüfungen und Analysen an der am Dienstag eingestürzten Brücke durchführen soll. Während eines Unwetters war ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des wichtige Polcevera-Viadukts in der italienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen.

Giuseppe Saragat, damaliger Präsident von Italien, winkt bei der Eröffnung der Morandi-Autobahnbrücke ins Publikum. Foto: Autostrade per lItalia/AP

Die Ergebnisse der Arbeit sollen einer Mitteilung des Ministeriums zufolge schließlich dazu dienen, über eine mögliche Entziehung der Lizenz für den privaten Autobahnbetreiber zu entscheiden. Italienische Medien werteten das als Zurückrudern einiger Regierungsmitglieder, die die Verantwortung für die Katastrophe bereits am Mittwoch dem Betreiber Autostrade per lItalia zugewiesen hatten. Auch Regierungschef Giuseppe Conte hatte erklärt, dass bereits erste Schritte für den Entzug der Konzession eingeleitet worden seien.

Autobahn ins Nichts. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung und Minister für Wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio, bekräftigte am Donnerstagabend im Sender La7, man werde dem Unternehmen nicht nur die Lizenz für die Autobahn entziehen, sondern auch eine Strafe von bis zu 150 Millionen Euro verhängen und dafür - wenn nötig - auch vor Gericht ziehen.

Der grün-blaue Lastwagen ist zum Symbol des verheerenden Einsturzes der Morandi-Brücke in Genua geworden. Foto: Antonio Calanni/AP

Der Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, sagte dagegen, er wolle von dem Betreiber „alles, was möglich ist” für die Angehörigen der Opfer, die Verletzten und die nun Obdachlosen bekommen. „Über Konzessionen, Strafen und Spitzfindigkeiten reden wir von kommende Woche an”, zitierte ihn Ansa.

Auf einmal war da nichts mehr - nach der Brückenkatastrophe herrscht in Genua Fassungslosigkeit und wachsende Wut. Foto: Luca Zennaro/ANSA

Aus Sicherheitsgründen waren insgesamt 13 Wohnhäuser evakuiert worden. 558 Menschen verloren der Präfektur zufolge ihr Zuhause. 117 seien in Hotels oder bei Privatleuten untergebracht.

Nach Angaben aus dem Verkehrsministerium muss die Brücke nun komplett abgerissen werden. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP

Der mehr als 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, der auch Morandi-Brücke genannt wird, spannt sich nicht nur über Wohnhäuser, sondern auch über Gleisanlagen und Fabriken und ist seit langem umstritten. Die Brücke ist Teil der Autobahn 10 und verbindet den Osten mit dem Westen der Stadt. Sie ist als Urlaubsroute „Autostrada dei Fiori” bekannt und eine wichtige Fernstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Wie von einer Riesenfaust zerstört: Feuerwehrleute bergen einen Verletzten. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP
(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten