Erkelenz: Dirigent Hans-Paul Breuer hebt zum letzten Mal seinen Taktstock

Erkelenz : Dirigent Hans-Paul Breuer hebt zum letzten Mal seinen Taktstock

Rappelvoll war die Stadthalle mit vielen jungen und junggebliebenen Menschen. Und dafür gab es zwei Gründe. Zum einen veranstaltete der Städtische Musikverein Erkelenz sein Frühjahrskonzert, zum anderen hob der langjährige musikalische Leiter Hans-Paul Breuer zum letzten Mal den Taktstock.

Er verabschiedete sich aus persönlichen Gründen nach zehnjähriger Tätigkeit. Als wenn die Verantwortlichen beim letztjährigen Konzert es geahnt hätten, wollten sie 2010 Darbietungen der vergangenen Jahre als „Best of” anbieten und legten dem Publikum die 84 gespielten Werke vor. Die Besucher konnten entscheiden, was sie noch einmal hören wollten.

Und das taten sie gern und wählten unter anderem „Fluch der Karibik”, „Lord of dance” und die „West side story”, deren Stoff auch heute noch nichts an Aktualität verloren hat. Der Dirigent hatte als „Entrée” den Aufzug der Meistersinger von Richard Wagner gewählt und konnte damit sofort die hervorragende Klangfülle des Stammorchester präsentieren, 60 Musiker und Musikerinnen im Alter zwischen zehn und über 70 Jahre, die zwar musikalische Laien, aber weiß Gott nicht laienhaft, ihre Instrumente beherrschen.

Selbstverständlich präsentierten sich auch wieder die Junior-Band unter der Leitung von Karl-Heinz Wawrzinek und erstmalig die Minis mit Jörg Wilms. 65 Kinder und Jugendliche werden augenblicklich im Städtischen Musikverein ausgebildet und zeigen, dass um den Nachwuchs niemand Sorge haben muss.

Im zweiten Teil bot das sinfonische Blasorchester aus dem Musical „König der Löwen” von Walt Disney, für das Elton John Teile komponierte, in der Bearbeitung von Hans Zimmer. Das Caribbean Concerto des 1938 geborenen niederländischen Komponisten Kees Vlak, der das Werk „Bovenwindse Eilande” nannte, aus den drei Sätzen St. Eustachius ( Samba), Saba (Beguine) und St. Maarten (Mambo) bestehend, schloss sich an, bevor Hans-Paul Breuer offiziell verabschiedet wurde.

Für das Orchester, das stehend applaudierte, überreichte Marlene Klotz symbolhaft einen Blumentopf mit „Tränenden Herzen”, die immer an den „Städtischen” erinnern sollen. Der Vorsitzende Heinz Musch überreichte eine Darstellung des „Erkelenzer Notenschlüssels” in Glas, das Zeichen, das die Musiker in ihrem Wappen tragen. Der scheidende Dirigent versicherte bei seinem Dank mit Trude Herr „Niemals geht man so ganz”, ehe er mit dem Orchester als fulminanten Schluss ein Glenn-Miller-Medley spielte. Natürlich kamen er und das Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Bei Melodien der Comedian Harmonists klatschten die Zuhörer begeistert mit und erzwangen eine weitere Zugabe. Die soll nach Breuers Wunsch zur Vereinshymne werden. Es ist der Marsch „Wir in Nordrhein-Westfalen”, den Breuer aus Anlass des Landesmusikfestes 1994 in Erkelenz komponierte und aus der Taufe hob. Dann aber schloss sich endgültig der Vorhang. Die Ära Hans-Paul Breuer ist nun beim „Städtischen” Vergangenheit.