Die Woche in Heinsberg: Zwei minus Zwei ist immer Null

Die Woche in Heinsberg: Zwei minus Zwei ist immer Null

Die Mathematik ist eine tolle Sache. Unumstößlich beschreibt sie naturwissenschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten. Verbindlich quer durch alle Kulturen, denn Zwei und Zwei ist nunmal Vier, egal, ob man sich in Afrika, China oder sonstwo befindet.

Eine Ausnahme scheint allerdings Deutschland zu sein, zumindest, wenn man einigen Regierungspolitikern Glauben schenkt.

Endlich soll es im nächsten Jahr wieder bergauf gehen mit dem Konsum in der heimischen Wirtschaft. Ein Mehr an Barem durch die vorgezogenen Steuererleichterungen - so sie denn kommen - soll den Bürgern gar mächtig im Portemonnaie drücken und eine Art Ausgabe-Reflex bewirken.

Nun - zu Ausgaben wird es wohl auch kommen, doch Einzelhandel, Gewerbe und Industrie dürften vergeblich auf ein zusätzliches Klingeln in ihren Kassen warten.

Denn wie bitteschön soll das Geld, das ja schon für die höheren Kosten im Gesundheitswesen und kapitale Eigenvorsorge in puncto Rente gleich wieder aufgezehrt wird, hier noch zum Einsatz kommen?

Dass zum 1. August auf Landesebene beschlossen wurde, den Eltern schulpflichtiger Kinder jetzt auch noch in Sachen Lehrbücher tiefer in die Tasche zu greifen, ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Zwei plus Zwei ist Vier, aber Zwei minus Zwei ist Null. Wer hier dennoch an eine wundersame Geldvermehrung glaubt, sollte sich statt der Mathematik eher der Theologie zuwenden.

Es ist schon faszinierend, wie unterschiedlich die Sensibilität manch Jugendlicher Gehörapparate zu sein scheint. In schwindelnden Dezibel-Höhen dröhnender Techno-Sound in Discotheken sorgt für Wohlbefinden, obwohl - objektiv betrachtet - oftmals der tumbe Radau einem das Großhirn aus der Schale hauen müsste.

Das Glockengeläut einer Kirche hingegen lässt bei den Jugendlichen recht schnell den Geduldsfaden reißen. Vor allem, wenn es zu so „unchristlicher” Zeit wie etwa 7 Uhr morgens erklingt - und das auch noch an Sonn- und Feiertagen oder gar in den Ferien.

Der jahrelange Rechtsstreit, den Eltern aus Steinkirchen-Effeld wegen des Angelus-Läutens daher für ihre so geschundenen Sprößlinge vor Gericht ausfochten, ist beispielhaft.

Nicht etwa, weil das Läuten nun um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wird, was die Kirchengemeinde übrigens schon vor vier Jahren angeboten hatte, sondern weil in einer Demokratie selbst elementare Bestandteile abendländischer Glaubenskultur gerichtlich auf den Prüfstand gestellt werden können. Obs nötig war, ist eine andere Sache...