Kreis Heinsberg: Die richtige Mischung beim Neujahrskonzert

Kreis Heinsberg : Die richtige Mischung beim Neujahrskonzert

Ein Neujahrskonzert steht immer unter einem besonderen Vorzeichen. Da gibt es große Vorbilder, wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das auch im Fernsehen übertragen wird. Doch selbst im Saal ein Neujahrskonzert zu erleben, ist natürlich noch schöner. Das werden sich auch die 750 Zuhörer gedacht haben, die sich die Karten für das Neujahrskonzert der Neuen Philharmonie Frankfurt in der ­Hückelhovener Aula gesichert hatten.

Die Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und die Stadt Hückelhoven hatten gemeinsam eingeladen. Und die Karten waren in Rekordzeit vergeben gewesen, was wohl auch am erstmalig für das Neujahrskonzert angebotenen Online-Reservierungssystem lag.

Die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Die Neue Philharmonie Frankfurt hatte genau die richtige Mischung gewählt, zwischen Klassik mit Anspruch und beschwingter Unterhaltung zum Jahresbeginn.

Die Neue Philharmonie Frankfurt war in diesem Jahr erstmalig mit ihrem ständigen Gastdirigenten Steven Lloyd-Gonzalez in ­Hückelhoven zu Gast. Das Motto des Konzertprogramms — „1001 Nacht“ — hatte der Künstlerische Leiter des Orchesters, Dr. Ralph Philipp Ziegler, kreiert. Ziegler übernahm auch die Moderation.

Ihm ist es zu verdanken, dass die Konzerte der im Schnitt recht jung besetzten Neuen Philharmonie Frankfurt zu einem Gesamterlebnis werden. Ralph Philipp Ziegler kombiniert Stücke und Komponisten virtuos miteinander, bringt musikalische Richtungen in Beziehung zu einander, wo manch anderer keine Gemeinsamkeiten erkennen würde. Das gelingt ihm so unaufdringlich, dass sich der Zuhörer einfach nur zurücklehnen muss und genießen darf.

Da fanden sich Filmmelodien aus Harry Potter neben Mozart, Strauss und Camille Saint-Säens. Das Oberthema des Neujahrskonzerts zog sich leicht und unterhaltsam durch diesen musikalischen Start ins neue Jahr. Die Ouvertüre aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ eröffnete den Konzertreigen. Einen ersten Höhepunkt erlebte das Publikum gleich im Anschluss mit der Darbietung des Stückes „Morceau de concert“ von Camille Saint-Säens.

Dieses Stück sei, so erläuterte Ziegler, eine Liebeserklärung. Es sei die die Liebeserklärung des Komponisten, drei Jahre vor seinem Tod geschrieben, an ein Instrument, das er so gerne gespielt hätte, aber nicht spielen konnte: die Harfe. Was Saint-Säens nicht konnte, gelang Alexandra Heyn vorzüglich. Die junge Harfenistin strafte all diejenigen Lügen, die die Harfe für ein altbackenes Instrument halten. Die Töne, die sie ihrer Harfe abgewann, sorgten im Einklang mit dem Orchester für Begeisterung bei den Zuhörern.

Die Mezzosopranistin Judith Berning setzte weitere Akzente in diesem abwechslungsreichen, beschwingten Neujahrskonzert. Sowohl bei einer der schönsten und vielleicht erotischsten Arien, so Ziegler, die die Musikgeschichte hervorgebracht hat, dem Lied „Mon Coeur“ aus der Oper „Samson und Dalila“, ebenfalls von Camille Saint-Säens komponiert, glänzte die Sängerin.

Und auch bei vermeintlich „leichter“ Unterhaltungsmusik wie Paul Linckes „Die Liebe kam vom Märchenland“ bewies sie ihre Stärke. „Harry‘s wondrous world“ aus einem Harry-Potter-Film, komponiert von John Williams, oder das Intermezzo aus der Johann-Strauss-Oper „Tausend und eine Nacht“, Lehárs „Lustiger Witwe“ oder Tschaikowskis „Nussknacker“ waren Teile in einem musikalischen Puzzle, das Ralph Philipp Ziegler mit der wunderbar und frisch aufspielenden Neuen Philharmonie Frankfurt ganz fein zusammenfügte zu einem Konzerterlebnis, das beim Start ins neue Jahr die grauen Wolkendecke vergessen ließ.

Nach dem Johann-Straus-Klassiker „An der schönen blauen Donau“ folgte als Zugabe und rasanter Abschluss des Konzerts der Radetzky-Marsch von Vater Johann Strauss.

(defi)