Schinveld/Gangelt: Die Natur kennt keine Grenzen

Schinveld/Gangelt : Die Natur kennt keine Grenzen

Männchen und Weibchen sind kinderleicht zu unterscheiden: Der Bulle hat kräftige, waagrechte nach vorne gebogene Hörner, die Kuh meist deutlich längere und weit ausladend nach oben gebogene.

Allgemein sagt man über das Schottische Hochlandrind, es sei robust, urwüchsig und langlebig, manchmal fällt auch das Wort gutmütig.

25 Meter Abstand

Trotzdem sei jedem Besucher des am Donnerstag eröffneten Natur- und Landschaftsparkes Rodebach zu raten, einen großen Bogen um die rot-braunen zotteligen Ungetüme zu machen. 25 Meter Minimum.

Insgesamt grasen jetzt 22 Rinder auf der 750 Hektar großen Fläche, die auf niederländischer Seite den Raum Leiffenderven, das Tal des Roode Beek und das Waldgebiet Schinveldse bossen umfasst.

Auf deutscher Seite zählt der ehemalige Gangelterbruch und der breite Teilbereich des Rodebaches zu dem Schutzgebiet.

Der Naturpark Roode Beek/Rodebach bildet einen Part des Projektes NATURA-2000, eines weitläufig europäischen Naturpark-Netzwerkes, zu dem auch die Brunssumerheide und die Tevernerheide gehören.

„Momentan sind es nur 22 Hochlandrinder, wir planen aber mit einem pro Hektar”, schaut der Gangelter Bürgermeister Bernhard Tholen in die Zukunft. Besonders freue ihn, dass nach etlichem Papierkram, Genehmigungen und Landschaftsarbeiten jetzt endlich Ergebnisse zu sehen seien.

Die erste Teilstrecke des grenzüberschreitenden Flusses ist über 1,5 Kilometer renaturiert, der zweite Teil auf deutscher Seite wird im nächsten Jahr folgen.

„Wir haben jetzt auch die Planfeststellung bekommen”, atmet Tholen auf. Auch die Restfinanzierung von 1,5 bis 2 Millionen, so zeichne sich ab, stehe mit Euregionale 2008 und Interreg mehr oder weniger auf sicheren Füßen.

Außerdem wurde bereits die erste Hälfte der Weideflächen gestaltet, auf der jetzt 88 stramme Beine mit verfilztem Fell im Matsch stehen. Die Rinder wurden vorher, als symbolischer Akt der Einweihung, aus einem Kral in die eingezäunte Freiheit entlassen.

Dort werden sie durch ihr Grasen verhindern, dass sich die Fläche in ein dichtes undurchdringliches Waldgebiet verwandelt.

Schließlich soll der Naturpark Rodebach für Mensch und Tier zugänglich sein. Das Wegenetz soll neu angelegt werden.

Ein Teil der alten Wanderstrecken wird verfallen, die Hufe der 400 bis 750 Kilo schweren Warmblüter werden neue trampeln.

Radfahrer können auf Routen das Gelände von Norden nach Süden oder von Osten nach Westen durchqueren. Und auch für Reiter werden spezielle Pfade angelegt.

Allerdings ist im Naturschutzgebiet nur ein PS zugelassen, weshalb die Besucher ihre Autos auf Parkplätzen außerhalb abstellen müssen.

„Das tun wir alles auch für die kommenden Generationen”, erklärt Huub Meijer den Hintergrund dieses aufwändigen Projektes.

Kreis zeigt Interesse

Der Bürgermeister der Gemeinde Onderbanken begrüßt neben Tholen auch ganz besonders den Landrat, Stephan Pusch: „Ihr Erscheinen unterstreicht das Interesse des Kreises Heinsberg an diesem Park.”

Während Meijer augenzwinkernd darauf hinweist, dass die Schottischen Hochlandrinder ab sofort ohne Pass oder Visum die Grenze passieren können, führt Landrat Pusch ein anderes Beispiel für den Sinn dieses „ermutigenden Projektes” an: „Bäche machen nun mal nicht an der Grenze Halt.”