Kreis Heinsberg: Die meisten kommen, wenn es schon „brennt”

Kreis Heinsberg : Die meisten kommen, wenn es schon „brennt”

Im Fernsehen wird den Menschen oft eine wenig reale Welt vorgegaukelt, egal ob Verbrechenslösung in 45 Minuten, der Einsatz der Super-Nanny oder der Auftritt des Spezialisten für Schuldnerberatung. Die sind immer erfolgreich.

Bei der Vorstellung des Jahresberichtes der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich in Kooperation mit dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt und dem Kreis Heinsberg wurde aber deutlich, dass sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Haagstraße in Hückelhoven nicht zu verstecken brauchen vor der TV-Realität. Sie arbeiten zwar in der Regel wenig spektakulär, können aber meistens den Rat und Hilfe Suchenden einen Ausweg aus ihrem Dilemma aufzeigen.

Und die vorgelegten Zahlen sind beeindruckend. Die Beratungsfälle stiegen im vergangenen Jahr erneut. 1338 Haushalte wurden betreut, von denen sich 774 Personen erstmals an die Schuldnerberatungsstelle gewandt haben. Das sind aber, so Berater Wolfgang Meier, allenfalls 15 Prozent der Menschen, die der Beratung eigentlich bedürften. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, zum Teil aus Scham, zum Teil auch, weil die Hilfe immer noch nicht genügend Bekanntheitsgrad besitzt.

Dabei gibt es im Kreis Heinsberg kein Problem mit der Wartezeit vor der Erstberatung. In der Regel bekommen die Hilfe Suchenden einen Termin innerhalb der nächsten zwei Wochen. Das wollen die Berater auch in Zukunft möglichst erreichen, denn wichtig ist eine schnelle Erstberatung. Die Menschen kommen nämlich meistens erst, wenn es bei ihnen „brennt”.

Ursache der Überschuldung ist nach der Beratungsstellenstatistik sehr häufig die Fehleinschätzung der Betroffenen (450 Fälle). Es folgt gescheiterte Selbstständigkeit (259 Fälle). Trennung und Scheidung (181 Fälle) und gescheiterte Hausfinanzierung (128 Fälle) sind noch häufiger als die Arbeitslosigkeit (104 Fälle). Fast die Hälfte der Haushalte lebt von Erwerbseinkünften aus unselbstständiger Arbeit, oft können keine Rücklagen gebildet werden und für Anschaffungen sind häufig Raten nötig.

Auch die übrige Einkommenssituation trifft besonders Bezieher von Arbeitslosengeld II. Zwei Drittel der Beratenen sind ausweislich des Jahresberichtes im Alter zwischen 30 und 50 Jahre, also eigentlich in der aktivsten Lebensphase. Seit fast zehn Jahren besteht die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle an der Haagstraße. Die Arbeit war mit dem vorhandenen Personal nicht mehr zu bewältigen.

Der Kreis Heinsberg hat der Situation Rechnung getragen und die Finanzierung einer weiteren Stelle zugesichert. Zum 1. November 2006 wurde eine Diplom-Sozialarbeiterin eingestellt und auch die Sekretärinnenstelle zu einer vollen Stelle aufgestockt. Die damit in Verbindung stehenden augenblicklichen Baumaßnahmen schaffen weitere Räumlichkeiten, die nach der Hoffnung der Beschäftigten spätestens Ende des Sommers bezogen werden können, damit den Rat und Hilfe Suchenden weiterhin im Netzwerk der sozialen Dienste effektiv geholfen werden kann. Der neue Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Pfarrer Jens Sanig, und die Sozialdezernentin der Kreisverwaltung , Liesel Machat, die beim Pressegespräch anwesend waren, sagten weiterhin ihre Unterstützung zu.