Die Lehrer können selbst kaum lesen

Die Lehrer können selbst kaum lesen

Erkelenz (an-o) - Die Erkelenzerin Elisabeth Binger arbeitet seit September 2002 zum zweiten Mal für ein halbes Jahr in Ecuador in einem "Jugend-Dritte-Welt-Projekt" der Salesianer Don Bosco. Ihre Eltern waren Ende November dort; Elisabeths Mutter Barbara berichtet über ihren Besuch.

Die "Communidades" sind Dorfgemeinschaften, die aus mehreren Großfamilien bestehen, welche einzeln verstreut in den Anden lebten. In den letzten Jahren haben sich immer mehr Familien zu Dorfgemeinschaften zusammengeschlossen, vor allem um die Vulkane Tunguragua und Chimborazo.

In 2900 Meter Höhe

Die Fundacion der Salesianer, deren Leiter Padre Pio Baschlrotto ist, unterhält in Quito der Hauptstadt von Ecuador, die in rund 2900 Meter Höhe liegt, ein Büro. Sie helfen beim Aufbau von Schulen und unterstützen Werkstätten, die Lehrer ausbilden. "Lehrer", das sind hier Dorfbewohner, die gerade selbst lesen und schreiben können und die zweimal im Jahr eine einwöchige Fortbildungsveranstaltung besuchen, um einige einfache pädagogische und didaktische Grundregeln zu lernen.

In der Fundacion arbeiten die Buchhalterin Susanna, die Sozialarbeiterin Janeth und zurzeit unsere Tochter Elisabeth, Studentin für Sozialpädagogik. Janeth und Elisabeth besuchen an zwei Tagen pro Woche die Communidades. Wir hatten die Gelegenheit, an einem dieser Tage dabei zu sein.

Wir sind mit dicken Pullovern, Regenjacken mit Winterfutter und schweren Wanderschuhen ausgerüstet, denn dort, wo wir hinfahren wollen, wird es kalt und unwegsam sein.

Wir verlassen Quito mit Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr und fahren weiter auf der Panamericana nach Süden. Es herrscht erhebliches Verkehrsaufkommen. Der Fahrstil ist für uns Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig, die meisten Fahrzeuge wären bei uns längst nicht mehr für den Verkehr zugelassen. Nach mehreren Stunden Fahrt gelangen wir an den Stadtrand von Ambato. Dort biegen wir von der Panamericana ab und fahren durch das Dorf Quisapincha hindurch steil hinauf in die Berge.

Kurz vor dem ersten Dorf geht die befestigte Straße in einen Lehmweg über. Durch das Dorf führt ein Weg, der sich im Zentrum zu einem Platz erweitert. Rund herum sind Häuser aus Lehmziegeln, teils auch in Steinbauweise, wobei die Lehmhäuser weitaus besser dem hier herrschenden rauhen Klima angepasst sind, weil sie die Wärme besser speichern können, aber Steinhäuser gelten als fortschrittlich. Wir halten vor einem Stein-Gebäude, der Schule des Ortes, welches mich an die Klassenräume in Fertigbauweise der 70-er Jahre erinnert.