Die besseren Noten gabs für Stoiber

Die besseren Noten gabs für Stoiber

Erkelenz (an-o) - Das TV-Duell zwischen Kanzler Schröder und Kandidat Stoiber war das Medienereignis am Wochenende. Fünf Leser der "Nachrichten" beobachteten am Sonntag Abend besonders genau das Geschehen auf dem Bildschirm.

Heinrich Heinen, 63 Jahre alt und Pensionär aus Beeck, haben weder Gerhard Schröder noch Edmund Stoiber überzeugt. Heinen, der parteipolitisch gebunden ist: "Das hängt damit zusammen, dass ich unter einem Duell etwas anderes verstehe. Beide Kontrahenten haben artig ihre bekannten Argumente ausgetauscht." Die besseren Argumente hatte nach Ansicht von Heinen der bayrische Ministerpräsident. Der Bundeskanzler war ihm zu "ruhig und zu glatt". Heinen, dessen Wahlentscheidung nicht verändert wurde, sieht in dem TV-Duell, wie es am Sonntag ausgestrahlt wurde, keine Bereicherung des Wahlkampfes. Heinen: "Das enge Korsett ließ den beiden Politikern keine Chance, ein wirkliches Streitgespräch auszutragen." Seine Noten: 3 minus für Schröder, 3 plus Stoiber.

"Schröder wirkte steif und nervös"

Der Gymnasiast Christoph Zimmer ist 16 Jahre alt und damit noch nicht wahlberechtigt. Der Baaler hat aber schon eine feste politische Meinung, die sich durch das TV-Duell nicht geändert hat. Und welcher der beiden Kontrahenten war der überzeugender Wahlkämpfer? Zimmer: "Das kann ich so direkt nicht sagen. Ich habe aber von Gerhard Schröder erwartet, dass er als Medienkanzler seine Aussagen besser rübergebracht hätte. Er wirkte steif und nervös." Der Kanzler hatte aber die besseren Argumente. Zimmer. "Er ging in die Tiefe, während Stoiber meistens nur mit Schlagworten operierte und an der Oberfläche kratzte." Dazu sein Beispiel: "Als es um den möglichen Krieg gegen den Irak ging, bezog der Kandidat nicht deutlich genug Stellung." Seine Noten: 3 minus für Schröder, 3 für Stoiber.

Julita Przygoda, 25 Jahre alt und Soziologiestudentin aus Erkelenz, weiß zwar noch nicht genau, wen sie bei der Bundestagswahl wählen wird, ist sich aber sicher, dass das TV-Duell nichts zu ihrer Meinungsfindung beigetragen hat. Julita Przygoda: "Das Duell hat mir ganz gut gefallen, aber man hätte es von der Form her besser machen können." So sollten die Kontrahenten mehr sich selbst überlassen und nur von den Moderatoren unterbrochen werden, wenn sie vom Thema abweichen. Für die Studentin gab es keinen klaren Sieger. Die Erkelenzerin weiter: "Gut war bei Stoiber, dass er seine Rhetorik verbessert hat, häufiger in die Offensive gegangen ist und mehrfach auf die Schwächen Schröders hingewiesen hat, zum Beispiel als es um die Arbeitslosigkeit ging. Peinlich bei Stoiber war seine verkrampfte Art zu lächeln." Bei Schröder fiel der Studentin seine ruhige Art positiv auf. "Er sich gut gegen die Angriffe Stoibers gewehrt." Schlecht bei Schröder: Er war zu defensiv. Ihre Benotung: 3 für Schröder und 2 für Stoiber.

Eine Fünf für den Kanzler

Für Josef Bocks, 53 Jahre alt und Vertriebsberater aus Wegberg, war Edmund Stoiber der bessere Wahlkämpfer, "weil er die Sachfragen präziser beantwortet hat". Der Kandidat habe bewiesen, dass er lernfähig ist. Bocks, der parteipolitisch nicht gebunden ist, aber genau weiß, was er wählen wird: "Das TV-Duell war rhetorisch gesehen der mit Abstand beste Auftritt von Stoiber." Für Bocks ist das TV-Duell in der Form, in der es ausgestrahlt wurde, keine Bereicherung des Wahlkampfes, "weil es kein echtes Streitgespräch war. Das Ganze war zu diszipliniert, was natürlich Stoiber zugute kam. Schröder ist Stoiber von der Gestik, Mimik und Rhetorik her klar überlegen. Bocks vergibt folgende Noten: 5 für den Kanzler, 3 für Stoiber.

Marita Wallrafen, 51 Jahre alt und Hausfrau, ist parteipolitisch nicht gebunden. Die Kückhovenerin wusste bereits vor dem Duell sicher, wo sie am 22. September ihre Kreuzchen machen wird. Für Marita Wallrafen war Edmund Stoiber der bessere Wahlkämpfer: "Er präsentierte sich staatsmännischer als der Kanzler."Stoiber hatte auch für sie die besseren Argumente. Frau Wallrafen: "Stoiber hat die Fragen präziser beantwortet als Schröder. Der Bundeskanzler hat mir total nicht gefallen. Er hat mehrfach sehr widersprüchlich argumentiert und wirkte besonders zu Beginn sehr nervös und zerfahren." Ihre Noten: 3 minus für Schröder, 2 plus für Stoiber.