Kreis Heinsberg: DGB erinnert an Kampf um Sophia-Jacoba und an Schließung der Zeche

Kreis Heinsberg : DGB erinnert an Kampf um Sophia-Jacoba und an Schließung der Zeche

Schacht 3 in ­Hückelhoven ist für den Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schon traditionell Schauplatz seiner Veranstaltungen zum 1. Mai. In diesem Jahr, da die Schließung der letzten beiden deutschen Steinkohle-­Zechen in Bottrop und Ibbenbüren ansteht, wollte der DGB bewusst an den Kampf um Sophia-Jacoba und an die Schließung der Zeche vor 21 Jahren erinnern.

Die Bergkapelle Sophia-Jacoba spielte auf. Und in einer Gesprächsrunde — moderiert von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers — blickten Friedhelm Georgi, der ehemalige Bezirksleiter der damaligen Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE), Monika Rother als Vertreterin der Fraueninitiative, Detlef Stab, der Vorsitzende des Fördervereins Schacht 3 und frühere stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von SJ, sowie Pastoralreferent Johannes Eschweiler als Vertreter der Kirche zurück.

Willi Klaßen, der DGB-Kreisvorsitzende, freute sich über den Besuch von rund 150 Gästen. Er griff den bundesweiten Aufruf des DGB auf. Es gehe um mehr soziale Gerechtigkeit, mehr solidarische Politik und mehr Förderung der Vielfalt.

In seinem Grußwort sagte Bürgermeister Bernd Jansen, das auch für den Strukturwandel in der Stadt Hückelhoven das vom gastgebenden DGB-Kreisverband ausgegebene Motto gelte: „Nur wer sich solidarisiert, kann auch die Zukunft erfolgreich gestalten.“ Man habe zwar den Strukturwandel geschafft, sei aber noch nicht am Ende dieses Prozesses.

Überraschend war der Aachener Weihbischof Dr. Johannes Bündgens zur DGB-Veranstaltung gekommen. In seinem Grußwort blickte er zurück auf den Kampf der Kumpel und insbesondere auf die Unterstützung durch den damaligen Bischof Klaus Hemmerle. Die gezeigte Solidarität sei Ausdruck der Umsetzung der christlichen Nächstenliebe und sozialkatholischer Tradition.

1988 hatte der damalige IGBE-Vorsitzende Hans Berger bei einer Betriebsversammlung gesagt, man müsse der Realität ins Auge schauen und mit dem Schlimmsten rechnen. Nur wenige Tage später gründete sich die Fraueninitiative, über deren vielfältige Aktivitäten Monika Rother berichtete. Johannes Eschweiler verwies auf den Kreuzweg der Arbeit, der symbolisch für das solidarische Wirken der Kirche stehe.

Seite an Seite kämpften Betriebsrat und Gewerkschaft, die Frauen und die Kirchen für SJ. Erinnert wurde an Fackelzug und Mahnwachen, Demonstrationen und Gottesdienste, den Auto-Korso mit 2500 Fahrzeugen durch das Kreisgebiet und den Marsch mit mehr als 100.000 Unterschriften nach Bonn.

All dies mündete schließlich 1991 in dem spektakulären und dramatischen Untertageprotest der Kumpel. „Immer hatten wir Hoffnung und schauten gebannt auf die Lippen der Politiker“, formulierte Stab. „Und die Wut der Kumpels unter Tage richtete sich gegen den damaligen Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann.“ Der FDP-Politiker habe als Totengräber der Zeche nichts anderes gewollt als die sofortige Stilllegung, so Stab.

Auch Monika Rother war damals enttäuscht von der Begegnung mit Möllemann: am Kohleteppich der Frauen vor dem Heinsberger Kreishaus. Die Kumpel suchten Zuflucht beim Bischof, der ihnen sogar ein Nachtlager im Aachener Dom gestattete. Zwar habe das Aus für Sophia-Jacoba letztlich nicht verhindert werden können, gleichwohl sei der erreichte Aufschub bis 1997 — sechs Jahre mehr Zeit, sich auf den Wandel einzustellen — den Protesten zu verdanken gewesen, da herrschte Einigkeit in der Runde. Und betont wurde die riesengroße Solidarität, die damals in der Region spürbar gewesen sei.

Welche emotionalen Belastungen die Beteiligten zu ertragen hatten, 1991, als die Zechenschließung beschlossen wurde, und 1997, als die letzte Kohle gefördert wurde, war auch beim Interview mit den beiden früheren Bergleuten Reinhard Prüfer und Ludwig Gurniak spürbar.

Friedhelm Georgi richtete den Blick als Gewerkschafter auf die Gesamtheit der Zechen in Deutschland und ihre Bedeutung — damals wie heute. Mit der Schließung der letzten Zechen verschwinde nicht nur der Bergbau, sondern es gehe auch das Know-how des damit verbundenen Maschinenbaus verloren.

DGB-Kreisvorsitzender Willi Klaßen schloss die Veranstaltung mit den Worten: „Der Bergbau geht, der Kumpel bleibt.“

(jwb)