Waldfeucht/Gangelt/Heinsberg: Deutscher Mühlentag: Mehl mahlen mit historischer Technik

Waldfeucht/Gangelt/Heinsberg : Deutscher Mühlentag: Mehl mahlen mit historischer Technik

Kräftig drehen sich die Flügel außen an der Mühle, und schon ziehen die ersten Besucher, die im Rahmen des Deutschen Mühlentags nach Haaren gekommen sind, innen drin ihre Köpfe ein. Es rumpelt mächtig. „Wenn wir gleich wieder mahlen, ist das vorbei“, erklärt ihnen Mühlenbesitzer Hubert Verbeek und nimmt den nächsten Sack mit Dinkelkörnern.

„Das ist doch noch wenig“, fügt Michael Schmitz mit einem Blick nach draußen hinzu. „Mehr als Windstärke drei ist heute nicht mehr drin.“ Dennoch entscheidet sich Verbeek dann, die Segel auf den Flügeln ein bisschen einzurollen, wobei ihm die Besucher der Mühle natürlich auch interessiert zuschauen. Von ihm erfahren sie beim Mühlentag noch so einiges mehr über die historische Technik aus dem Jahr 1842, die im vergangenen Jahr ihr 175-jähriges Bestehen gefeiert hat.

So mancher Gast machte beim Mühlentag ein schickes Erinnerungsfoto, wie hier vor der Waldfeuchter Mühle (oben). André Rom vom Mühlenverein erklärte den Besuchern in Breberen die Funktion des Mahlwerks (unten links). Michael Schmitz und Hubert Verbeek freuten sich über den Wind, so konnten sie für die Besucher der Haarener Windmühle frisch gemahlenes Mehl anbieten (unten rechts). Foto: Anna Petra Thomas

Schmitz, ebenfalls Mitglied im Verein Historische Mühlen im Selfkant und einer der aktiven ehrenamtlichen Müller, verpackt derweil das frisch gemahlene Weizen- und Dinkelmehl in Tüten, damit die Gäste es gleich mitnehmen und damit zu Hause backen können. „Es braucht weniger Backpulver“, fügt er noch als persönlichen Tipp hinzu. Wer nicht bis zum Backen warten will, für den gibt es auch gleich unten an der Mühle eine Stärkung, wofür die Jugendfeuerwehr aus Haaren sorgt.

So mancher Gast machte beim Mühlentag ein schickes Erinnerungsfoto, wie hier vor der Waldfeuchter Mühle (oben). André Rom vom Mühlenverein erklärte den Besuchern in Breberen die Funktion des Mahlwerks (unten links). Michael Schmitz und Hubert Verbeek freuten sich über den Wind, so konnten sie für die Besucher der Haarener Windmühle frisch gemahlenes Mehl anbieten (unten rechts). Foto: Anna Petra Thomas

Statische Probleme

Auch ein paar Kilometer weiter, in Waldfeucht, werden schon Waffeln gebacken für die hungrigen Radler, die bei strahlendem Sonnenschein von Mühle zu Mühle fahren. „Wir hätten so gerne noch einmal die von den Kindern anlässlich unseres Jubiläumsjahres gestalteten Segel aufgezogen“, sagt hier Vereinsgeschäftsführer Josef Vraetz. Doch aufgrund statischer Probleme mit den Flügeln sei dies bei dem Wind nicht möglich gewesen. 2011 habe man die neuen Flügel für die mehr als 120 Jahre alte Mühle angeschafft, aber ihre Statik reiche nicht aus und der damit nun verbundene Rechtsstreit dauere noch an.

Im vorigen Jahr habe man das Mahlwerk komplett erneuert. „Als nächstes ist jetzt die Bremse dran“, sagt Vraetz und lässt nicht unerwähnt, dass es dem Verein derzeit nicht leichtfällt, alle notwendigen Arbeiten an den historischen Mühlengemäuern zu finanzieren. „Die Zuschüsse gehen fast gegen null“, erklärt er. „Jetzt soll sich aber wieder etwas tun, und ich hoffe, dass wir auch dabei sind.“

Zurückgelassenes Kriegsmaterial

Fasziniert, wie die Kraft des Windes im Innern der Mühle in Technik umgesetzt und für das Mahlen von Mehl genutzt wird, sind die Besucher auch in der 176 Jahre alten Breberener Windmühle. Hier können André Rom und Rainer Bär ebenfalls von einigen interessanten Details berichten, etwa davon, dass der Sackaufzug der Breberener Mühle gleich nach dem Zweiten Weltkrieg ganz einfach aus altem Kriegsmaterial gefertigt wurde, das die Briten in einer Feldschmiede zurückgelassen hatten. Zusammen mit Bär konnten die Kinder ausprobieren, wie sich das Mahlwerk für grob oder fein gemahlenes Mehl verstellen lässt.

Für die technischen Feinheiten der Windmühlen in der Region interessiert sich auch Ingrid Engeln, die zusammen mit ihrem Mann Wilfried und Hund Oskar nicht zum ersten Mal anlässlich des Mühlentags aus Mönchengladbach in die Region gekommen ist. Bis nach Waldenrath sind die beiden mit dem Auto gefahren, von dort aus erkunden sie die Mühlenregion mit dem Rad. „In dieser Ecke kann man gut fahren“, betont Wilfried Engeln. Bis zu 50 Kilometer wollen sie beim Mühlentag noch radeln, von Mühle zu Mühle natürlich.

Gottesdienst in Breberen

Wem das zu anstrengend war, der konnte am Pfingstmontag auch den Mühlenexpress nutzen, einen Oldtimerbus, der vom Bahnhof der Selfkantbahn in Schierwaldenrath aus die Windmühlen in Waldfeucht und Breberen ansteuerte. Mit dabei war als vierte im Bunde des Vereins auch die Kirchhovener Mühle.

In Wegberg waren zudem die Tüschenbroicher Kornmühle und die Schrofmühle in Rickelrath geöffnet, wo die Besucher zuschauen konnten, wie mit Hilfe von Wasserkraft Korn gemahlen und Leinöl ausgepresst wird.

Am Nachmittag bildete die Breberener Windmühle schließlich die Kulisse für einen ökumenischen Gottesdienst.

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