Kreis Heinsberg: Der Trix-Express-Stammtisch restauriert alte Modellbahn-Anlagen

Kreis Heinsberg : Der Trix-Express-Stammtisch restauriert alte Modellbahn-Anlagen

Es ist schon unglaublich, wenn die Welt in all ihren Facetten plötzlich auf nur wenige Quadratmeter vor dem eigenen Auge zusammenschrumpft. Unglaublich und ebenso faszinierend. Bei den Mitgliedern des Vereins Trix-Express-Euregio-Stammtisch kann man es erleben.

Auf 220 Quadratmetern haben sich die Modelleisenbahn-Freunde, die sich als angeblich einzige im Kreis Heinsberg der Restaurierung historischer Modelleisenbahn-Anlagen verschrieben haben, in Übach-Palenberg ihr eigenes Reich geschaffen.

Auch wenn die Lebenswege der gestandenen Mannsbilder, die sich mindestens einmal in der Woche in Übach-Palenberg treffen, völlig unterschiedlich verliefen, verbindet sie doch eines ganz gewiss: die Liebe zu Eisenbahnen der Marke Trix Express. „Die Produktion der H-Null-Bahn ist unter dem Namen Trix Express 1935 entstanden“, sagt Reimund Beulen aus Waldfeucht, der Vorsitzende des Vereins.

Und als wäre das nicht schon ausreichend, um die Verehrung der alten Modelleisenbahn-Marke zu begründen, schiebt Guido Rotarius noch nach: „Trix Express war die erste elektrische Tisch-Eisenbahn der Welt. Sie hatte zudem einige Vorteile gegenüber allen anderen. Mann konnte immer schon mit zwei Zügen auf einem Gleis unabhängig voneinander fahren. Wenn man eine Oberleitung besaß, sogar mit drei.“

Imposante Fangemeinde

Die kleinen ratternden Kopien ihrer großen Vorbilder haben offenbar eine imposante Fangemeinde. „In Deutschland, aber vor allem in Holland.“ Der Euregio-Stammtisch habe sich im Jahr 2004 zusammengefunden, sagt Beulen. Den Verein gebe es erst seit November letzten Jahres . Er zähle derzeit 14 Mitglieder und eine ähnliche Zahl an „Sympathisanten“. Beulen erinnert sich noch gut an das erste Zusammentreffen in einem griechischen Restaurant in Aachen. „Beim Stammtisch wird hin und wieder auch mal der Lötkolben ausgepackt“, lacht Beulen. „Im Restaurant wollte ich damals demonstrieren, wie man Silberlot auf die Schleifschuhe der Lok auflötet. Als ich die Lötlampe ausgepackt habe, war der Wirt nicht gerade amüsiert.“

Hausverbot gab‘s trotzdem nicht. Nur die dringliche Bitte, bloß vorsichtig zu sein und nicht das Mobiliar abzufackeln. Tja, die „typischen“ Modelleisenbahn-Freunde seien sie wohl nicht, meint Beulen. „Wir unterscheiden uns auch dadurch, dass wir nicht nur mit unseren Anlagen im Keller sitzen.“ Auch das Restaurieren alter Anlagen sei nicht unbedingt üblich. „Die erste Anlage, die wir instand gesetzt haben, stammte aus dem Jahr 1957.“

Schon im Kindesalter waren die Vereinsmitglieder durch die kleinen Eisenbahnwelten in ihren Bann gezogen worden. „Ich kenne keinen Modellbahner, der erst im Erwachsenenalter damit anfängt“, sagt Beulen. Warum sie der kindlichen Faszination noch heute erliegen? „Die Beweggründe hierfür sind unterschiedlich. Jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt. Der eine möchte eine Anlage reparieren, der andere fährt nur mit Vorkriegsmodellen und wieder ein anderer liebt es, Beleuchtung in die Züge einzubauen.“

Für Beulen selbst stehe wie für seinen Vereinsfreund Tom van Venrooij das Basteln und Reparieren der alten Anlagen im Vordergrund. In Klaus Niederbachs Herz haben nicht nur die Modelle, sondern auch die lebensechten Exemplare einen festen Platz. Guido Ro-tarius interessiert sich grundsätzlich für altes Spielzeug. „Aber so eine alte Lok ist ein wirklich technisches Meisterwerk für die damalige Zeit. Für mich hat es auch eine beruhigende Wirkung, dem Zug zuzuschauen, wie er über die Anlage läuft.“

Bei diesem Hobby, darin sind sich alle einig, fänden Menschen zusammen, „die sich normalerweise nie begegnen würden“. Lustigerweise wollte nur einer von ihnen in der Tat Lokführer werden, Michel Mordante. Geworden ist er professioneller Schlagzeuger.