Stolberg/Heinsberg: Der Preisträger spart nicht mit Kritik

Stolberg/Heinsberg : Der Preisträger spart nicht mit Kritik

Dr. Bernd Bierbaum, der in Stolberg mit dem „Europäischen Sozialpreis” für sein Engagement in Zentralafrika ausgezeichnet wurde, nahm kein Blatt vor den Mund.

Der Allgemeinmediziner aus Heinsberg erlebte vor zehn Jahren in Ruanda das Elend der Tutsi und gründete in seiner Heimatstadt den Verein „Wir für Ruanda ACA”. Fast 1,5 Millionen Euro Spendengelder schickte der Verein nach Afrika, baute ein Schulgebäude für Straßenkinder und rief Projekte für Notleidende ins Leben. Dafür ehrte ihn die Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft aus Eschweiler mit dem „Europäischen Sozialpreis”, der im Jahr zuvor an Dr. Reinhard Erös (Kinder-Afghanistanhilfe) ging.

Klare Worte

Sind die Laudatoren bekannte Persönlichkeiten, so geht der Sozialpreis an Menschen, die im Grunde kaum jemand kennt. „Sie beweisen jedes Jahr aufs Neue Mut, einen gesellschaftlichen Nobody zu ehren. Hätten Sie die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit genommen, dann wäre heute Abend das Fernsehen vertreten. Aber so: Pustekuchen”, wandte sich Bierbaum an Peter Schöner, Vorsitzender der GPB.

Dem Preisträger stinkt es gewaltig, dass in schöner Regelmäßigkeit Promis für ihr soziales Engagement geehrt werden, ohne je ein wirkliches Opfer gebracht zu haben. So sei Bianca Jagger, Ex-Gattin des Rolling Stones-Bosses, mit dem Alternativen Nobelpreis bedacht worden. „Hat sie je etwas durchgemacht, sich selbst in eine existenzielle Problematik gebracht?”

Sein Vorgänger Erös hingegen habe seine Karriere für die gute Sache geopfert, habe selbst dann nicht aufgegeben, als eines seiner Kinder in Afghanistan an einer Infektion starb. „Solche Männer sind unsere wirklichen Helden und nicht die von Alemannia oder Bayern München.” Für diese klaren Worte bekam der Preisträger tosenden Applaus.

Knapp einen Dollar

Eine ausgesprochen gute Figur machte Staatssekretärin Dr. Miriam Meckel, die MdL Axel Wirtz - wohl noch ganz vom Wahlstress gezeichnet - als „Frau Merkel” in seiner Ansprache titulierte. Meckel ist sich sicher: Solange es Ungerechtigkeit in der Welt gibt, solange werden Morde, Terror und Armut nicht enden.

1,3 Milliarden Menschen leben in extremer Armut. Statistisch verfügt ein Mensch in extremer Armut über weniger als einen US-Dollar täglich. „Niemand weiß, wie viele Leben Sie gerettet haben, aber wir alle wissen, dass es viele sind”, sagte Meckel.