Kreis Heinsberg: „Der Meisterbrief ist ein Vorbild für Europa“

Kreis Heinsberg : „Der Meisterbrief ist ein Vorbild für Europa“

32 großformatige und fertig gerahmte Jubiläumsmeisterbriefe hatte Kreishandwerksmeister Edwin Mönius in diesem Jahr zur traditionellen Feier der alten Meister in der Festhalle Oberbruch mitgebracht für Handwerksmeister mit goldenem und mit diamantenem Jubiläum.

Willkommen hieß er in der Festhalle nicht nur die verdienten Meister und ihre Angehörigen, sondern auch Politiker aus Bund, Land und Kommunen, darüber ­hinaus Horst Wiegand als Vorsitzenden der Alte-Meister-Stiftung der Kreishandwerkerschaft sowie Wilhelm Grafen, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, und deren Vorstandsmitglied Marco Herwartz.

In seiner Rede blickte Mönius auf die Europäischen Union. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe sich dafür ausgesprochen, ein besseres Europa zu schaffen. „Zu einem besseren Europa gehören nach unserer Ansicht auch der Meisterbrief als qualifikationsgebundener Gewerbezugang und das duale Ausbildungssystem“, betonte der Kreishandwerksmeister.

Dies führe im internationalen Vergleich zu den geringsten Arbeitslosen- und Jugendarbeitslosenquoten sowie zu hervorragenden Zukunftsperspektiven für junge Menschen. „Nur ganz allmählich scheint sich in der EU die Erkenntnis durchzusetzen, dass die berufliche Ausbildung in Deutschland auch deswegen so erfolgreich ist, weil nirgendwo sonst betriebliche Ausbildung und theoretische Vertiefung so eng miteinander verzahnt sind.“

Bildungsforscher würden dem deutschen Gesellenbrief ein Qualifikationsniveau attestieren, das mit Fachhochschulabschlüssen anderer Länder zu vergleichen sei. Daher gehöre zu einem besseren Europa noch mehr Verständnis dafür, dass die besondere Qualifikationskultur des Handwerks kein Hemmschuh sei, sondern beruflichen Aufstieg, soziale Integration und freien Leistungswettbewerb erfolgreich miteinander verbinde. „Der Meisterbrief ist Vorbild für Europa — und muss es bleiben“, ­betonte Mönius unter großem ­Applaus aus dem Publikum.

Viel Spaß hatten die Gäste an diesem Nachmittag beim Auftritt von Hastenraths Will. Bei „alte Meister“ habe er erst an Rembrandt und Rubens gedacht, gestand er, wusste dann aber schnell um die Verdienste der Handwerkskunst, die wohl auch beim Bau der Festhalle von Steinmetzen des 17. Jahrhunderts zur Geltung gekommen sei. Der „scharismatische Landwirt“ wunderte sich über so mancherlei moderne Bezeichnung fürs Handwerk, wo es heute nicht mehr einfach nur Friseur, sondern zum Beispiel „Kamm In, Haarmonie oder Kaiserschnitt“ heiße. Warum es statt „Friseuse“ heute „Friseurin“ heiße, wollte ihm nicht so ganz einleuchten.

Man spreche ja auch von einer „Fritteuse“ und nicht von einer „Fritteurin“, erklärte er. Als „größtes Rindvieh der Region“ ließ er es sich schließlich nicht nehmen, auf die Wichtigkeit der Kreishandwerkerschaft hinzuweisen, die ja immerhin das zulässige Höchstgewicht einer dreistöckigen Sahnetorte ebenso festlege wie den Gesamtgehalt von Sägemehl in der Leberwurst.

(anna)