Der Kreuzweg als Aufbruch zur Freiheit

Der Kreuzweg als Aufbruch zur Freiheit

Kreis Heinsberg (an-o) - Ostern, das höchste Fest der Christen. Gedanken zum "Kreuzweg: Aufbruch zur Freiheit der Kinder Gottes" machte sich für die "Nachrichten" Raphael Häckler, Kaplan in Gangelt.

Wenn Christen in der Karwoche den Kreuzweg beten, geht es um mehr als um die Erinnerung an die letzten Stunden des Lebensweges Jesu. Es geht um Aufbruch. Um ein Freiwerden von den Mächten des Todes, die uns umfangen. Der Glaube an die Auferstehung bildet den Hintergrund, auf dem Christen den Kreuzweg glaubend beten. Der Kreuzweg zeigt uns den Gekreuzigten als den Herrn über Leben und Tod. Er will uns Kraft und Mut schenken, auch die schweren Situationen des Lebens anzunehmen und dadurch zu verwandeln.

Mit Jesu Tod am Kreuz beginnt Gottes neue Schöpfung. Wenn wir die Macht seines Kreuzes auf uns wirken lassen; wenn wir uns diesem Jesus und seiner Botschaft öffnen, wird er den Stein unseres Grabes zerschmettern. Dieser Jesus ist der Weg zum Leben. Zu einem Leben in Fülle. Zu einem Leben in der Freiheit der Kinder Gottes. Das Kreuz ist ein Zeichen des Sieges und christlicher Hoffnung.

Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt dieser Hintergrund. Dabei begegnen uns Kreuze heute überall. Vor allem in der Jugendszene fallen sie ins Auge: als Ohrclips, als Tätowierungen, an Ketten um den Hals. Sogar in der "Bravo" wurde das Kreuz schon als modisches Accessoire angepriesen. Das Wissen um das Leben Jesu und der Glaube an seine Auferstehung aber, können längst nicht mehr fraglos vorausgesetzt werden. Immer weniger Kinder kennen die zentrale Bedeutung des Kreuzes für den christlichen Glauben. Häufig kommen sie im Rahmen der Erstkommunion-Vorbereitung zum ersten Mal mit dem Kreuzweg in Berührung. Nur einzelne haben bis dahin an der Kar- und Osterliturgie ihrer Gemeinden teilgenommen. Das Schulkreuz ist vielerorts zu einem Fremdkörper verkommen, manche Eltern nehmen sogar Anstoß an ihm.

In der "Weggemeinschaft der Gangelter Gemeinden" wird versucht, Kinder einen Zugang zum Kreuzweg zu eröffnen. Jahr für Jahr werden die Kinder in der Karwoche eingeladen, den Kreuzweg Jesu zu beten. Dabei gibt es ganz verschiedene Ansätze. Mal meditiert eine Gruppe die Bilder des Kreuzweges in der Kirche, mal macht man sich auf den Weg und sucht markante Orte der Gemeinden auf, an denen Lebenswege sich kreuzen (Krankenhaus Friedhof, Betkreuz). Immer wieder erlebt man dabei, dass der Kreuzweg bei den Kindern durchaus Eindrücke hinterlassen kann. Das dynamisch sich steigernde Geschehen nimmt sie allmählich gefangen.

Gespräch mit Kindern

Wenn man Kindern Gelegenheit zum Mittun bietet, sind alle eifrig und konzentriert dabei. Notwendig ist allerdings, dass man den ihnen die Möglichkeit bietet, Fragen zu stellen und über ihre Erlebnisse ins Gespräch zu kommen. Daher sollten Hauptamtliche, Katecheten, Lehrer und Eltern die Kinder begleiten und von ihrem persönlichen Glauben erzählen. Nur so erfahren sie den Kreuzweg nicht als etwas Fernes und Entrücktes, sondern als etwas, das auch mit ihrem Leben in der modernen Welt zu tun hat.