Oberbruch: „Der Kreis” war eine runde Sache

Oberbruch : „Der Kreis” war eine runde Sache

Mit „Der Kreis” von W. Somerset Maugham lieferten die Theaterproduktionen e. K. aus Essen in der Oberbrucher Festhalle am Freitagabend ein solides Stück Boulevard-Theater, eben eine runde Sache.

Ein paar hundert Zuschauer waren gekommen. Sie durften zufrieden sein.

Das Stück rankt sich um eine alte Lady, die nach über 30 Jahren auf einen Landsitz in Aston zurückkehrt, von wo sie seinerzeit mit ihrem damaligen Liebhaber und jetzigen Lebensgefährten durchgebrannt war.

Vor Ort trifft sie nicht nur auf ihren Ex-Mann, sondern auch auf ihren Sohn und dessen junger Gemahlin, die im Begriff ist, mit ihrem Liebhaber den gleichen Weg zu beschreiten, wie einst Lady Catherine. „Der Kreis” schließt sich also.

In Oberbruch zeigte sich wieder einmal, das Boulevard-Theater nicht mit unterhaltsamem Klamauk verwechselt werden darf, wenn auch der Humor einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert hat.

Der grantelnde Fred Kretzer als von Alterswehwehchen geplagter Lord Porteous und gleichsam Lebensgefährte Lady Catherines, setzte hier viele der vom Publikum freudig aufgenommenen Akzente.

Ebenso Ursula Dirichs als in die Jahre gekommene Lady, deren Geplapper darüber hinwegtäuschen soll, dass sie mit ihrem Alter und Lebensverlauf wohl so ihre Problemchen hat. Aber auch Peter Fricke gab den blasierten „Ex” der alten Lady, der stets einen sinnschweren Spruch auf Lager hat, ohne offenbar die Inhalte für sein eigenes Leben umsetzen zu können, einfach köstlich.

Ralf Benson verlieh „Arnold”, dem Sohn Lady Catherines und Ehemann der bezaubernden Elisabeth, in seiner hölzern-gelackten Art genau das Charisma, das ein Mann wohl besitzen muss, damit ihn eine Frau verlässt.

Für den Part der vernachlässigten und ebenso begehrten Elisabeth hätte wohl kaum eine passendere Besetzung gefunden werden können als Silvia Seidel. Ihre feminine Ausstrahlung und das spürbare Temperament führten zu einer hervorragenden Verkörperung eines durch Romantik und Abenteuerlust geprägten Wesens.

Thomas Weber-Schallauer mag hingegen verzeihen, dass man ihm ob seiner linkischen Liebesbezeugungen, den draufgängerischen Frauenverführer Edward Luton, der Spannung verspricht statt Langeweile, nur schwer abnimmt. Vielleicht lags ja auch an der schlechten Dramaturgie der Rolle.