Hückelhoven: Der Hammer: Mit zwölf zwölf Meter

Hückelhoven : Der Hammer: Mit zwölf zwölf Meter

Sie nimmt es ganz genau: „Gestern waren es 71,8 Kilo.” Lisa Maurer-Fischer spricht von ihrem Gewicht. Das ist eine nicht zu unterschätzende Größe bei dem, was die 15-Jährige seit zwei Jahren intensiv in ihrer Freizeit betreibt.

Lisa ist Hammerwerferin. Und sie gehört zu den Schwergewichten in ihrer Altersstufe. Nicht nur was ihre körperliche Konstitution betrifft, auch leistungsmäßig: Mit den 49,58 Metern, die sie den Hammer mit drei schnellen Drehungen aus dem Wurfkäfig katapultiert, liegt sie in der NRW-Bestenliste auf Platz zwei.

„Sie hat die idealen körperlichen Voraussetzungen für eine Hammerwerferin”, sagt ihr Vater Hans Fischer. Der ist auch Lisas Trainer. Rasenkraftsport - allein
das Wort klingt fossil, vom Aussterben bedroht; Hammerwerfen, Steinstoßen und Gewichtwerfen, irgendwie passt das nicht mehr so recht in Zeit. Jugendliche in ihrem Alter sitzen vor dem Computer und haben die Playstation in der Hand.

Was also reizt daran, ein Drei-Kilo-Gewicht an einer 98 Zentimeter langen Kette möglichst weit aus dem Wurfkreis auf den Rasen zu schleudern? „Es macht einfach Spaß”, sagt Lisa. Mehr weiß sie auch nicht. Langt ja auch. 21 Tage im Monat ist Hans Fischer mit seiner ein Meter siebzig großen Tochter und deren Mitstreitern auf der Anlage des Glück-Auf-Stadions. Da steht dann in erster Linie Lauftraining auf der Agenda. Und die Kraft? Brauchen Hammerwerfer nicht auch jede Menge Kraft, Muskeln?

„Krafttraining machen wir kaum. Wichtig sind für die Athleten in diesem Alter Technik und Schnelligkeit”, sagt Fischer, der selbst einmal in der Spitzengruppe im Land Niedersachsen geführt wurde. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her. Fischer, der später im Stadtrat allerdings nach anderen Maßstäben gemessen ein „politisches Schwergewicht” wurde, hat im Leichtathletikverein (LAV) Hückelhoven eine muntere Schar von talentierten Jugendlichen unter seinen Fittichen, die sich im Rasenkraftsport üben.

Durch seine Beziehungen hat er Sponsoren gefunden, die für die Hammerwurfanlage im Stadion sorgten, und die Stadt stellt ihm den Bus für die Fahrt seiner Rasenkraftsporttruppe nach Erfurt zur Verfügung. „Das ist Sportförderung an der Basis”, freut sich Fischer. Als Trainer sieht er anders als in der Politik Erfolge für seine Mühen. Seine junge Truppe fährt jetzt die Ernte der regelmäßigen Übungseinheiten im Stadion in die Scheuer: Bei den Deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende wurde das Trio mit Tochter Lisa und ihren beiden Mitkämpferinnen Natpischa Hüppe und Judith Dahmen „Deutscher Meister im Rasenkraftsport” in der Kategorie WAS, weibliche Schüler A also.

Die zwölf Jahre alte Natpischa ist für Fischer „das größte Talent in meiner Gruppe”. Mit 47 Kilo fällt sie in die Kategorie Leichtgewicht. Wenn man sie allerdings neben Madelina Gleitza stehen sieht, wirkt sie wie ein dicker Brocken. Das Küken in Fischers Truppe ist gerade mal zwölf Jahre alt und wiegt 34 Kilo. Da kommen Zweifel, ob sie den drei Kilo schweren Stein überhaupt heben kann. „Ich hab die Kugel schon mal fast zwölf Meter geschleudert”, sagt die. Wie man sich täuschen kann. Echt der Hammer.