Kreis Heinsberg: Der Büstenhalter im Fokus einer Kunstausstellung im Begas-Haus

Kreis Heinsberg : Der Büstenhalter im Fokus einer Kunstausstellung im Begas-Haus

Was sich hinter dem etwas sperrigen Ausstellungstitel „bra-participation — Art meets economy — reloaded 2.0“ verbarg, wurde den Besuchern bei der Vernissage im Heinsberger Museum Begas-Haus schnell deutlich, als sie den Raum für Wechselausstellungen betraten: Büstenhalter in Hülle und Fülle sind dort zu betrachten.

Wer nachzählte oder der Einfachheit ­halber der Ausstellungsmacherin Ursula Pahnke-Felder zuhörte, kam auf 66 Werke von 54 Künstlern zum Thema Büstenhalter.

Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann (l.) und Ausstellungsmacherin Ursula Pahnke-Felder (r.) eröffneten „bra-participation“. Passend dazu gab es Törtchen in Busenform.

Das Spiel von Zeigen und Verdecken wird ja seit Adam und Eva gespielt und hat bis heute nichts an Reiz verloren. Seit er vor gut 100 Jahren in Mode kam, trägt der BH zum Erfolg dieses Spiels bei. In der aktuellen Wechselausstellung des Heinsberger Museums ist die Erotik allerdings eher schwach vertreten. Dafür gibt es Einblicke anderer Art, Einblicke in die Gedankenwelt von vielen Frauen und ein paar Männern, die sich auf Anregung der Venloer Künstlerin Ursula Pahnke-Felder mit dem Büstenhalter künstlerisch auseinandergesetzt hatten.

Die Künstlerin Meike Kohls aus der Hansestadt Hamburg zeigt im Rahmen der Ausstellung „bra-participation“ im Heinsberger Museum Begas-Haus ihren Mops-Zirkus.

„Art meets economy“

Ursula Pahnke-Felder legte Wert darauf festzustellen, dass alle an der Ausstellung „bra-participation“ Teilnehmenden keine Hobby-Künstler seien, sondern solche mit einer abgeschlossenen Ausbildung an einer Kunst-Akademie oder Kunst-Hochschule. Von 2001 bis 2012 hatte ­Pahnke-Felder im zweijährigen Rhythmus insgesamt 217 internationale Künstler aufgerufen, sich mit fünf „Zeit-Global-Objekten“ im Kunstprojekt „Art meets economy“ auseinanderzusetzen. Einkaufstasche, Kugelschreiber, T-Shirt, ­Badekappe und Reißverschluss waren vorangegangen, bevor Ursula Pahnke-Felder als Sahnehäubchen auf ihre Kunstprojektserie den BH als Zeichen der Emanzipation, Freiheit und Selbstbestimmung der Frau setzte. So ergab sich der Untertitel „Art meets economy — reloaded 2.0“.

Ursula Pahnke-Felder verwies auf das gemeinsame, nicht-kommerzielle Projekt der Künstler, die mit Lust und Laune ans Werk gegangen seien. Erstmals war 2015 in einer Venloer Galerie eine Schau der nun in Heinsberg präsentierten Kunstwerke gezeigt worden. Die damalige Ausstellung kam ziemlich genau zum „100-Jährigen“ des BHs zustande, den die Amerikanerin Mary Phelps Jacob sich 1914 hatte patentieren lassen, der aber erst im Kriegsjahr 1917 seinen Siegeszug angetreten hatte, als die Amerikanerinnen vom Korsett auf den BH umstiegen waren, um Material zugunsten der Rüstungsindustrie einzusparen.

Sehr schön in Szene gesetzt

Am leichtesten öffnet sich die Schau dem Besucher, der schlendernd seinen Weg durch die ausgestellten Kunstwerke geht. Die Kuratorin der Ausstellung, Barbara Jacobs, hat die Werke sehr schön in Szene gesetzt. Der Raum wirkt trotz der Vielzahl der Werke nicht überfrachtet. Der Besucher kann die Kunstwerke für sich entdecken. Den Sinn jedes Werkes zu entschlüsseln, wäre eine Aufgabe, die nicht wirklich anzuraten ist. Manches wirkt etwas sinnüberladen.

Hübscher Mops-Zirkus

Meike Kohls ist eine der Künstlerinnen. Sie zeigt einen Mops-­Zirkus. Meike Kohls ging mit hanseatischem Humor ans Werk und war sich bei der Vernissage nicht ganz sicher, ob der regionale Betrachter die Doppeldeutigkeit des Begriffes Möpse versteht. Sie griff sich erklärend an die Oberweite und meinte hervorhebend: „Möpse! Ich komme ja aus Hamburg, da ist die Reeperbahn nicht weit.“ Kleine, schwarze Plastikhündchen führen in einem roten Zirkuszelt Kunststücke vor. „So eine Art Stangentanz“, meinte Meike Kohls lachend. Für das Zeltdach hat sie zwei rote BHs zusammengenäht. Das sieht wirklich hübsch aus, einer der schönsten Beiträge zu dieser Ausstellung. (defi)

Die Ausstellung „bra-participation“ ist im Begas-Haus in Heinsberg an der Hochstraße 19-21 bis 3. November zu ­sehen. Das Museum in der Kreisstadt ist von dienstags bis samstags ­jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.