Erkelenz: „Der Bauxhof ist ein guter Startpunkt für Neubürger”

Erkelenz : „Der Bauxhof ist ein guter Startpunkt für Neubürger”

Die größte „Immobilientransferaktion” in der Geschichte von Erkelenz gab Anlass zum Feiern: Vor genau zehn Jahren erwarb die Stadt die Wohnanlage Bauxhof, um sie russischen Spätaussiedlern als Übergangsheime zur Verfügung zu stellen.

Seitdem haben dort zirka 2300 Menschen Unterkunft gefunden.

Am Samstag luden Bürgermeister Erwin Mathissen und die Bürgerinitiative Bauxhof zu einem geselligen Abend mit Musik und Tanz ins Festzelt auf dem Wohngelände ein. Mathissen erinnerte eingangs an die wechselvolle Geschichte der Emigranten.

Vor 250 Jahren seien ihre Vorfahren von Katharina der Großen angeworben worden. Russland habe nämliche Bauern und Handwerker für den Aufbau des damals dünn besiedelten Staates gebraucht, wusste der Bürgermeister. Später, zur Zeit des stalinistischen Regimes, hätten die Deutschen unter Diskriminierung und Verfolgung gelitten.

„Ich denke, dass Ihnen die meisten Menschen in der Stadt zugeneigt sind”, hob Mathissen den ihm nach positiven Verlauf des Integrationsprozesses hervor. Leider gebe es auch Ausnahmen, Personen, die schlecht über den Bauxhof sprechen würden. „Das ärgert mich immer wieder!”

Ein friedliches Miteinander verlange der Stadt selbstverständlich auch ab, sich mit den Sorgen und Nöten ihrer Einwohner auseinanderzusetzen. Mitarbeiter des Sozialamtes hätten sich stets darum bemüht. Der Bürgermeister musste zeitweise eine andere Verpflichtung in der Erka-Sporthalle wahrnehmen, doch versprach er vor seinem vorübergehenden Fortgang: „Aber nachher, da trinken wir zusammen ein Bier.”

„Wir haben den Entschluss, nach Erkelenz zu kommen, nie bereut”, betonte Mina Bersuch, Vorsitzende der Bürgerinitiative. „Es gab am Anfang Ängste und Zweifel, aber auch viel Hoffnung.” Die meisten Aussiedler hätten ihre Rückkehr nach Deutschland als Chance begriffen, ein neues, besseres Leben zu beginnen. „Wir fanden hier Arbeit, viele konnten sich ein Auto kaufen und einige sogar ein Haus bauen.”

Aufgrund der Sprachbarriere, so Minna Bersuch, sei es nicht immer leicht gewesen, Fuß zu fassen. „Wir bedanken uns bei allen, die uns diesen Neuanfang ermöglicht haben, und hoffen auch in Zukunft auf ihre Unterstützung.”

Die Stadt habe mit dem Kauf der Wohnanlage die richtige Entscheidung getroffen, davon war Dr. Michael Schmitz überzeugt. Der damalige stellvertretende Stadtdirektor und Sozialdezernent sagte in seinem Grußwort: „Der Bauxhof ist immer noch ein guter Startpunkt für Neubürger.”

Rückblickend betrachtet könne die Stadt froh darüber sein, vor zehn Jahren die Fäden selbst in die Hand genommen zu haben. Ein privater Investor nämlich sei bei einem Erwerb der bis dahin von britischen Militärangehörigen bewohnten Häuser mit hoher Wahrscheinlichkeit anders vorgegangen.

Anstatt eine sozial ausgeglichene „homogene Gruppe” würden heute wahrscheinlich Menschen mit vollkommen verschiedenen kulturellen Hintergründen hier leben. Und diese Mischung hätte zweifellos ein höheres Problempotential bedeutet.

Bevor die geselligen Gespräche begannen und zum Tanz aufgespielt wurde, brachten die Sängerinnen des Bauxhofchores Rabinuschka einige bekannte und beliebte Volkslieder zu Gehör.