Inden/Altdorf: Der Asylkreis Inden startet Projekt „Alte und Neue Heimat“

Inden/Altdorf : Der Asylkreis Inden startet Projekt „Alte und Neue Heimat“

Die Gemeinde Inden mit ihren rund 7000 Einwohnern ist vor einigen Jahren, ähnlich wie ganz Deutschland, plötzlich mit einer Flüchtlingswelle konfrontiert worden. 180 Asylsuchende Menschen aus über 20 Nationen sollten die Situation in der Gemeinde für noch nicht absehbare Zeit verändern.

Menschen, die geflohen sind vor Krieg, einem Regime oder einer unwürdigen Existenz erreichten nach langer Wanderung das Indeland. Ein Kreativ-Projekt des 50-köpfigen und sehr regen Asylkreises Inden soll helfen, bisher Fremde ein Stück miteinander bekannt zu machen.

Der Titel: „Alte und Neue Heimat. Kindheitserinnerungen in Malerei und Texten“. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und unter der künstlerischen Leitung von Maria Therese Löw soll ein Konzept entstehen, welches eine Begegnung der Flüchtlinge mit den in Inden und Umgebung lebenden Einwohnern ermöglicht.

Heimat hat für jeden Menschen eine bestimmte, wenn auch differenzierte Bedeutung. Es kann der Geburtsort sein, aber auch ein Ort, in dem man lebt. Kindheits- und Jugenderinnerungen sollen als Anhaltspunkt dienen, um Menschen verschiedener Generationen und Nationalitäten zusammenzubringen. Jugendliche, Erwachsene und Senioren, die aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Erinnerungen mit anderen Menschen auszutauschen und dabei die Emotionen malerisch oder schriftlich auszudrücken.

„Man braucht keine Scheu zu haben. Mit einer entsprechenden Unterstützung kann jeder malen“, sagt Künstlerin Maria Therese Löw. „Manchmal offenbaren sich dabei wahre Naturtalente.“ Wer nicht malen möchte, kann gerne ein Gedicht oder eine Erzählung als Medium für das Erlebte wählen. Fotos, Zeitungsartikel und andere Zeitdokumente als Collage ergeben eine weitere Möglichkeit, die eigenen Erlebnisse festzuhalten und anderen mitzuteilen.

Berührungsängste

Beim ersten Treffen für das Projekt war die Zahl der Interessenten niedrig. „Es sind die Berührungsängste, das Fremde“, versuchte Karoline Pinkert vom Asylkreis die Situation zu deuten. „Sie haben Angst vor uns“, kam in fließendem Deutsch eine Aussage der aus Syrien vor zwei Jahren geflüchteten Lubna Zaidan. Sie war mit ihren Kindern in die AnziehBAR gekommen, um bei Kaffee und Kuchen neue Menschen kennenzulernen, über das Projekt zu reden und vielleicht Freundschaften zu schließen. Reiner Lövenich vom Asylkreis sieht ein vielseitiges Problem als Ursache.

Die Deutschen spenden bereitwillig ihre älteren Einrichtungsgegenstände und die nicht mehr gebrauchte Kleidung, sogar Geldspenden werden manchmal sehr bereitwillig angeboten. Was nicht gerne gespendet wird, ist Zeit. Es fehlt die Bereitschaft, eine Stunde zu opfern, um den anderen, immer noch fremden Menschen näher zu kommen und ihre Geschichten zu erfahren. Auch unter den Flüchtlingen entstehen mit der Zeit Gruppierungen, jede Nation trifft sich nur in eigenen Kreisen.

Dem entgegen zu wirken, ist das Ziel des Projektes. Wie Maria Therese Löw erklärt, sollen die im Rahmen der Aktion noch geplanten zwei weiteren Treffen und die anschließende Vernissage nicht nur die Neugier nähren. Vielmehr sollen die Teilnehmer für das von den Mitmenschen Erlebte sensibilisiert werden. Die positiven, manchmal aber auch traumatisierenden Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend betreffen die intimsten Emotionen jedes einzelnen Menschen. Nicht jeder möchte diese offenbaren. Er kann aber zum Zuhörer werden für diejenigen, die das Bedürfnis haben, die erlebten Gräuel den anderen mitzuteilen. Man kann auch die schönen Erinnerungen seiner Eltern oder Großeltern erzählen und damit vor dem Vergessen bewahren.

Leben ernorm bereichert

Es gibt für jeden gute Gründe, die „AnziehBAR“ bei den nächsten Projektterminen zu besuchen. Wie Karoline Pinkert und ihre Teamkollegen aus dem Asylkreis Inden sagen würden: „Es wäre sehr schön, wenn es nicht immer nur die gleichen Leute wären, die bei allen Aktionen dabei sind.“

Für Maria Therese Löw ist ihre ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen etwas, was sie nie mehr missen möchte. „Es hat mein Leben enorm bereichert, ich kann so vieles aus den anderen Kulturen erfahren, so viel für mich mitnehmen. Ich denke, ich werde bis zum Umfallen an solchen Projekten teilnehmen wollen“, schildert sie lächelnd ihre Erfahrungen. Die Autorin von mehreren Büchern, in Deutschland und im Ausland ausstellende Kunstmalerin, engagiert sich seit Jahren in verschiedenen Unicef-Projekten und sonstigen Aktionen zugunsten von hilfsbedürftigen Menschen.

Sie versteht die Berührungsängste der Europäer, auch die der Deutschen. Es ist viel Schlimmes in den vergangenen Jahren passiert. Die unmenschlichen Attentate und andere Verbrechen werden mit den Migranten assoziiert. Die Aufgabe solcher Projekte sei laut Löw, den Stellenwert der Angst zu verändern oder in den normalen Bereich zu bringen. Einen Vergleich würde Löw gern unterstreichen: „In einem Obstkorb können sich zwei faule Äpfel befinden. Deshalb wirft man noch lange nicht das ganze Obst weg.“