Bestand in den Rurauen: Den Pappeln an der Rur geht es an den Kragen

Bestand in den Rurauen : Den Pappeln an der Rur geht es an den Kragen

Wenn Sie in den unweigerlich kommenden warmen Frühlingstagen eine Radtour oder eine Wanderung durch die Rurauen machen, genießen Sie das Landschaftsbild. Denn so, wie sie sich entlang von Rur und Wurm jetzt zeigt, wird es diese Landschaft nicht mehr lange geben.

Das Fällen der 60 Pappeln nur wenige Meter von der Rur entfernt, worüber wir am 4. April ausführlich berichtet haben, ist erst der Anfang einer viel raumgreifenderen Fällung des Pappelbestandes in den Rurauen. Diese Bäume bei Doverack in einer mehr als 130 Meter langen, mehrreihigen Anordnung auf einer landwirtschaftlich genutzten Wiese entlang einer Mulde, die offensichtlich den früheren Rurlauf markiert, wurden vor etwa 60 Jahren dorthin gepflanzt. Sie dienten damals der Gewinnung von Holz, aus dem in Hilfarth und den umliegenden Ortschaften bekanntlich auch Schuhe, die „Klompen”, hergestellt wurden.

Der größte Teil der heute noch das Landschaftsbild der Rurauen prägenden Pappeln wurde in den 1950er Jahren gepflanzt. „Die Hiebreife der Pappeln beginnt ab etwa 40 Jahren”, sagt Günter Kapell. „Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit von Fäulnis, so dass die etwa 60 Jahre alten Bäume aus der Perspektive der Holzqualität bereits jenseits des optimalen Zeitpunktes gefällt wurden”, fügt der Leiter des Amtes für Umwelt und Verkehrsplanung beim Kreis Heinsberg hinzu.

Wenn es den Pappeln jetzt sozusagen an den Kragen geht und sich durch die Abholzung das Landschaftsbild entlang der Rur auf Jahre hinaus einschneidend verändern wird, dann hat das im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen ist der Verkauf des Holzes augenblicklich (im Gegensatz zu vergangenen Jahren) sehr lukrativ. Vor allem die Chinesen importieren Holz wie andere Rohstoffe ganz massiv - ohne auf den Preis zu achten. Und zum anderen gefährden viele alte Pappeln die Sicherheit von Radfahrern und Spaziergängern. „Viele Bestände in den Niederungen von Rur und Wurm hätten bereits in den 1980er und 1990er Jahren in bodenständige Bestände umgebaut werden müssen”, sagt Günter Kapell. Dies sei jedoch insbesondere auf privaten Flächen unter anderem aufgrund der seinerzeit schlechten Holzpreise nicht erfolgt. Die Zeiten indes, sie haben sich geändert. . .

Brigitte Brenner, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hückelhovener Rat, fühlt sich der Landschaft an Rur und Wurm auch emotional stark verbunden - und zeigt sich in gleichem Maße ohnmächtig: „Es wird so kommen, dass die Pappel aus der Landschaft verschwindet. Das ist eine ganz schlimme Geschichte.” In den letzten Tagen habe sie auch aus ihr politisch nahestehenden Kreisen gehört, die Pappel sei kein heimisches Gehölz, sondern erst von Napoleon an Rur und Wurm implantiert worden. Der landschaftspflegerische Verlust halte sich mithin in Grenzen. Diese Argumentation bringt Brenner auf die Palme: „Dann kann man ebenso gut alle Fasanen abknallen. Die kommen nämlich aus China.”

Für Günter Kapell jedenfalls ist bei nüchterner Betrachtung ziemlich klar: „Es wird vermutlich innerhalb eines relativ kurzen Zeitfensters zur Entnahme des Großteils der noch stehenden Pappeln kommen.” Was massive Auswirkungen auf Landschaftsbild und der Erholungswert in den Niederungen von Rur und Wurm nach sich zieht - und zwar auf lange Sicht. Günter Kapell: „Da die Neuaufforstungen erst in etwa 15 bis 20 Jahren raumwirksam werden, führt dies in der Wahrnehmung in der Zwischenzeit zu einer optischen Verarmung unserer Landschaft”.