Kreis Heinsberg: „Demenz und Alzheimer können jeden treffen”

Kreis Heinsberg : „Demenz und Alzheimer können jeden treffen”

Demenzerkrankungen im Alter treten aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung immer häufiger auf. Die Betroffenen stehen oft vor schier unlösbaren Problemen. Es gibt aber auch Möglichkeiten und Wege, mit der Krankheit umzugehen und den Verlauf zu verzögern.

Mit einem Markt der Möglichkeiten im Foyer des Hückelhovener Gymnasiums begannen am Samstag die Alzheimertage im Kreis Heinsberg. Ausrichter dieser Veranstaltung war der Arbeitskreis Soziale Dienste in den Altenheimen des Kreises Heinsberg.

Man neige dazu, Krankheiten und Gebrechen älterer Menschen zu verdrängen, erklärte der stellvertretende Hückelhovener Bürgermeister Dieter Geitner zur Eröffnung. Doch angesichts der steigenden Fallzahlen müsse man darüber sprechen. Dies sei eine Herausforderung für die Gesellschaft und vor allem die Altenpflege.

Anschließend wurden Übungen und Spiele präsentiert, die zur Aktivierung und zum Training des Gedächtnisses dienen. So präsentierte Natalie Meier vom Wassenberger Johanniter-Stift Gedächtnisspiele zum Thema Herbst. Die Baaler Einrichtung Herbstsonne setzt auf die Mithilfe von Lucky und Laika. Die beiden kleinen Hunde werden von den Bewohnern versorgt und verwöhnt.

„Demenz und Alzheimer können jeden treffen”, erklärte Dieter Finken von der AOK. Neben der Aufklärung bietet die AOK Kurse für pflegende Angehörige an. „Demenz bedeutet eine Umstellung des Lebens für die Erkrankten und Angehörigen”, so Finken. Deshalb seien frühe Hilfe und Information wichtig. Dies betonte auch Ute Ossa-Kühnel vom Evangelischen Altenzentrum Hückelhoven. Sie gehört zu den Initiatoren des Arbeitskreises, der seit 1995 besteht. „Das Netzwerk dient auch der Erweiterung der Kompetenzen”, erklärte sie. „Wir profitieren von dem Wissen der anderen und nutzen die vorhandenen Ressourcen.”

Im Foyer der Aula stellten Einrichtungen der Altenhilfe sich und ihre Arbeit vor. Die Angebote reichen von Sitztanz und Bewegungsübungen über Therapiepuppen und Tiere bis hin zu spielerischen Zehn-Minuten-Aktivierungen.

Eine Heilung der Demenz gebe es nicht, erklärte Ossa-Kühnel. „Doch man kann den Verlauf verzögern und präventiv schon gesund leben”, lautete ihre Empfehlung. Gemeint sind damit viel Bewegung an der frischen Luft, Gehirntraining und gesunde Ernährung. Eine Garantie, dass man verschont bleibe, biete das allerdings auch nicht, wie ein Mann zu berichten wusste. Er pflegt seit sieben Jahren seine demenzkranke Frau. „Sie hat ihr Leben lang viel Sport getrieben und ist Rad gefahren”, erzählte er. Trotzdem sei die Krankheit 2004 diagnostiziert worden. Er zeigte sich aber davon überzeugt, dass der Krankheitsverlauf durch regelmäßigen Sport verzögert werden könne. Alleine lassen könne er seine Frau nicht mehr. Wenn sie weglaufe, schaffe sie viele Kilometer, bis er sie gefunden habe. „Ich lebe in ständiger Angst”, resümierte er. „Sie ist immer noch derselbe Mensch, doch irgendwie auch nicht mehr.” Was bei fortschreitender Demenz passiert, ist schwer zu verstehen. Ursula Kreutz-Kullmann vom Demenz-Servicezentrum Regio ­Aachen / Eifel beschrieb es so: „Das Gedächtnis rollt sich von hinten auf, vom Kurzzeitgedächtnis bis hin zu den Kindheitserinnerungen. Die Persönlichkeit geht verloren.”

Die Akteure beim Markt der Möglichkeiten

Am Markt der Möglichkeiten nahmen Johanniter-Stift Erkelenz, Johanniter-Stift Wassenberg, das Evangelische Altenzentrum Hückelhoven, Herbstsonne Baal, St. Lambertus Hückelhoven, das St.-Antonius-Altenheim Wegberg und Pro Seniore Erkelenz teil.

Die AOK Rheinland/Hamburg stellte ihr Informationsangebot und den Pflegestützpunkt vor.

In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Wild wurde auch ein Büchertisch zum Thema und zur Prävention präsentiert.