Städteregion: Das Ziel: Strategien gegen Armutsrisiken entwickeln

Städteregion : Das Ziel: Strategien gegen Armutsrisiken entwickeln

Armut ist in der Städteregion ein Thema, vor dem niemand mehr die Augen verschließen kann.

Ob im Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung, in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft zur Kaufkraftarmut oder im Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Sämtliche Daten belegen, wie groß das Problem ist und wie wenig sich in den letzten Jahren für Arme, vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien, verbessert hat.

SPD, FDP und Linke im Städteregionstag haben Berichte unserer Zeitung über diese Studien zum Anlass genommen, die Erarbeitung eines Armutspräventionskonzeptes für das Gebiet der Städteregion zu beantragen — und stoßen damit sowohl bei der Verwaltung als auch bei der schwarz-grünen Mehrheit auf offene Ohren.

Zwar wird nicht, wie von den drei Fraktionen eigentlich gewünscht, sofort mit der Arbeit an einem solchen Konzept begonnen. Doch Armut wird auch im Zuge des integrierten Sozialplans behandelt, der seit Februar vergangenen Jahres in Arbeit ist. Nicht in all ihren Facetten und auch nicht mit Blick auf alle betroffenen Personengruppen, aber die Sozialpläne behalten Armut durchaus im Blick bei der Betrachtung von Themen wie Bildung, Arbeit und Gesundheit.

Die Verwaltung schlägt vor abzuwarten, bis der erste städteregionale Sozialplan vorliegt, weil der „eine gute Ausgangsbasis für eine vertiefende, datenbasierte Beschäftigung mit regional bestehenden Armutsrisiken und -folgen sowie möglichen Gegenstrategien“ sei. Und der Sozialausschuss folgte dem jetzt einstimmig.

Ende des Jahres soll der Sozialplan fertig sein, der zusammen mit dem geografischen Institut der RWTH und in enger Abstimmung mit den Kommunen erstellt wird. Auf dem Gebiet der Städteregion haben die Expertinnen und Experten 93 sogenannte Sozialräume ausgewiesen, die die sozialen Beziehungen, gemeinsame Merkmale der Bewohner sowie städtebauliche und wohnungsmarktspezifische Kriterien berücksichtigen.

Für diese Bereiche werden derzeit eine ganze Reihe von Daten aufbereitet. Dazu gehören Daten zur Altersstruktur, zum Anteil ausländischer Einwohner, zur Zahl von Alleinerziehenden, zur Zahl der auf Sozialleistungen wie Wohngeld oder Grundsicherung angewiesenen Menschen, zur Zahl der Beschäftigten und Arbeitslosen und anderes mehr. Auch Daten zu Bildung und Gesundheit werden in die Analyse aufgenommen.

Erste Ergebnisse sollen den Sozialpolitikern in der Novembersitzung präsentiert werden. Die Wohlfahrtsverbände wurden bereits im März im Rahmen einer Werkstattveranstaltung beteiligt und haben sich darauf verständigt, eine gemeinsame Stellungnahme zum Sozialplan zu verfassen, der Bestandteil des Berichtes sein wird. Im Frühjahr 2018 dann soll der Plan auf einer (Fach-)Konferenz vorgestellt und diskutiert werden.