Ratheim: Das Wort verbindet alle Werke der Künstlerin

Ratheim : Das Wort verbindet alle Werke der Künstlerin

Ihre Fotografien sind sozusagen der mittleren Distanz enthoben. Starke Vergrößerungen erlauben es nicht, die organischen Motive in ihrer Ganzheit zu erfassen. Und doch drängt sich der Eindruck von etwas Wohlvertrautem auf.

Die objektive Realität der Kameralinse verschwindet hinter einer subjektiven Wahrnehmung, die dem Betrachter eine andere Art des Sehens eröffnet.

Die Künstlerin Marie Madeleine Bellenger greift jedoch nicht nur zum Fotoapparat. Auch Farbe, Pinsel und Leinwand gehören zu ihrem Instrumentarium.

Jetzt wurde ihre Ausstellung, die der Hückelhovener Kunstverein Canthe im Alten Rathaus ausrichtete, bei einem Gläschen Sekt und Knabbereien eröffnet.

Professor Dr. Dieter Boeminghaus, Dozent an der Fachhochschule Aachen im Fachbereich Design, sagte in seiner Begrüßungsrede: „Das Besondere am Werk von Marie Madeleine Bellenger ist das Kommunikative, der Wunsch, das Erlebte an andere weiter zu geben.”

Sie trete ganz nah an die Dinge heran mit dem Wunsch, der „eigenen Sache” auf den Grund zu gehen. Besucher könnten nun der Entstehung eines neuen künstlerischen Ansatzes beiwohnen, denn einige Bilder seien eigens für die Ausstellung geschaffen worden, so Boeminghaus.

Die gebürtige Pariserin und Diplom-Designerin habe schon sehr früh im Ultramarin des Himmels jene Farbe wieder erkannt, „die das Geistige unseres Wesens am deutlichsten symbolisiert”.

Den Gegenpol - das Materielle - finde sie im Gelb des Strohs der Weizenfelder. Das Anliegen der Malerin bestehe darin, die Verbindungslinie zu finden, die die beiden beschriebenen Gegensätze vereinen könne.

„Blau und Gelb, oben und unten, Himmel und Stroh, Dinghaftes und Geistiges in einem Bildwerk”, beschrieb Boeminghaus. So werde getrocknete und zerkleinerte Erde bei Bellenger selbst zum Farbton und bedeute nichts anderes als sich selbst. Verbindendes Element in ihren Werken sei das Wort.

„Die gemalten, geschriebenen Schriftzeichen wirken wie eine Naht, mit der die verschiedenen Farbflächen aneinandergefügt sind.” Aufgabe des Betrachters sei es, diese wörtlich gemeinten Zeichen zu entziffern.

Zur ungewöhnlichen Foto-Kunst der Designerin bemerkte Boeminghaus: Indem sie die Kamera bei der Aufnahme verreiße, zwinge sie die Objekte, aus ihren angestammten Grenzen herauszutreten, ihren äußeren Rand zu durchbrechen und gleichsam in den Zwischenraum einzutreten.

„Wir sehen durch die realen Dinge hindurch.” Eröffnet werde hingegen ein Blick auf das innere Wesen der Dinge.