Kreis Heinsberg: Das Mekka der Treckerfreunde heißt Kühlerhof

Kreis Heinsberg : Das Mekka der Treckerfreunde heißt Kühlerhof

In ein Mekka der Freunde von Traktoren und Land­maschinen verwandelte am Wochenende der Lanz-Bulldog-Verein West — wie in jedem zweiten Jahr — wieder eine große Ackerfläche am Kühlerhof in Hückelhoven-Doveren. Mehr als 500 Trecker und Landmaschinen ließen das Herz der Liebhaber, Techniktüftler und Sammler an den beiden Festtagen höherschlagen.

„Erstmals haben wir in der Lagerhalle eine Miniaturausstellung landwirtschaftlicher Fahrzeuge aufgebaut“, erzählte Frank Bongartz, der erste Vorsitzende, erfreut über die gelungene Erweiterung beim 24. Erntefest und Oldtimertraktoren-Treff des Vereins. Die Miniaturwelt vom Heinsberger Holger Cordewener spiegelte die reale Welt draußen wider. Detailgetreu war da die Welt der Landmaschinen und Traktoren im Modellbau zu sehen. „ Was nicht zu sammeln ist, baue ich selber“, betonte er seine Leidenschaft. Eine Dampf-Dreschmaschine aus Balsaholz, Messing und Kupferrohr war der Beleg dafür.

Heinz Erdweg mit seinem Maschinenpark vom Lanz-Bulldog D6500 über die Stahl-Lanz-DA18-Dreschmaschine bis zur französischen Drahtpresse.
Heinz Erdweg mit seinem Maschinenpark vom Lanz-Bulldog D6500 über die Stahl-Lanz-DA18-Dreschmaschine bis zur französischen Drahtpresse.

Währenddessen trafen draußen laufend die sehenswerten fahrbaren Schätze ein vom Niederrhein, aus den Regionen Düren, Aachen und Heinsberg, sogar aus dem Siegerland und Koblenz waren sie angereist. Trecker für Trecker reihte sich auf der Ausstellungsfläche ein. In Einzelgespräche vertieft oder in Gruppen vereint, standen Besitzer und Besucher zusammen und fachsimpelten über alte Hanomag, Deutz, Eichler und Lanz Bulldog natürlich.

Einer von nur 250 in den Jahren von 1933 bis 1938 gebauten Exemplaren vom Lanz Bulldog als Ackerschlepper im Einsatz wie vor 80 Jahren.
Einer von nur 250 in den Jahren von 1933 bis 1938 gebauten Exemplaren vom Lanz Bulldog als Ackerschlepper im Einsatz wie vor 80 Jahren.

Letztere waren von der ursprünglich grauen Farbe bis hin zu neulackierten und restaurierten Varianten zu sehen. Manche mit der Patina des langen Maschinenlebens so belassen, wie Wind und Wetter dem „Arbeitstier“ zugesetzt haben. „Ein Modell D3506, Baujahr 1952 und einer der letzten gebauten Lanz Bulldog mit 20 PS bei fünf Liter Hubraum“, erläuterte ein Teilnehmer aus dem Erkelenzer Land den interessierten Besuchern. Das Vorglühen war notwendig, bevor mit dem Schwungrad, per Hand angetrieben, der Zweitakter gestartet werden konnte.

Ein seltenes Stück Lanz-Bulldog-Geschichte, auch weil in seinem Exemplar eine Antriebswelle eingebaut ist, ergänzte der Besitzer stolz. Auf einem reservierten Stück Acker wurde gepflügt oder ein schwerer Baumstamm gezogen. Zum Einsatz kam ein Hanomag mit 50 PS, eines von nur 250 zwischen 1933 bis 1938 gebauten Exemplaren.

Eine andere Attraktion hatte Heinz Erdweg vom Lanz-Bulldog-Verein West aufgebaut. „Als Antriebsmaschine dient der D6500, Baujahr 1932 mit 44 PS“, begann er als Besitzer und Restaurator, den gesamten Aufbau zu erläutern. Mit imposanten Keilriemen werde eine Stahl-Lanz Dreschmaschine angetrieben. Die könne die gebündelten Ehren selber aufschneiden, dreschen, nach kleinen und großen Körner sortieren und das Langstrohe hinten raus direkt in die französische Drahtpresse „Drouchot“ befördern, erklärte Erdweg seinen Zuhörern. Die Dreschmaschine DA18, Baujahr 1949/1950 habe er selber technisch überholt.

Welche rasante Entwicklung die Landmaschinen im letzten Jahrhundert bis heute genommen haben, konnten die Besucher an den riesigen modernen und komfortablen Traktoren erkennen, die im Kontrast zu den alten Schätzen ebenfalls ausgestellt waren. Dass dieses Fest auch ein Familienfest war, sah der Betrachter einerseits an den Besuchern — vom Kind bis zum Großvater war jedes Alter vertreten. Für Essen und Getränke war ebenso gesorgt wie mit einem Karussell und Spielangeboten für die Kinder. Wer aus einem anderen Bundesland angereist war, blieb über Nacht. Auch für diese Infrastruktur hatte der Verein mit Platz für Wohnwagen und Wohnmobile gesorgt.

Auf das Jubiläum zum 25. Fest in zwei Jahren freut sich der Verein mit seinen rund 160 Mitgliedern schon heute.

(jwb)