Erkelenz: Das Lesen als „pures Glück”

Erkelenz : Das Lesen als „pures Glück”

Das inzwischen 13. Literarische Quartett im Burgh-Keller des Cornelius Burgh-Gymnasiums stand unter dem Thema „Glück”. Ein Thema, mit dem sich die Schule in den letzten Wochen in einem Projekt eingehend beschäftigt hatte.

In einer Umfrage unter den Schülern sei auf die Frage nach dem Glück das Lesen als „pures Glück” bezeichnet worden, wie Moderatorin Inge Koch-Wittmann erzählte. Somit sei die Beschäftigung des Abends, das Reden über Literatur, eine Tätigkeit, die das Glück fördere.

Koch-Wittmann begrüßte darüber hinaus vor allem die Herren in der abendlichen Runde und beglückwünschte sie, dass sie den Verlockungen des Viertelfinales nicht nachgegeben hatten und im Burgh-Keller erschienen waren.

Ohne großes Vorspiel ging es los mit dem ersten der drei Bücher deutscher Autoren, die themengerecht das Glück behandelten. Claudia Schreibers „Emmas Glück” kam nicht nur bei Gabi Lindholm gut an.

Die zweifache Mutter präsentierte eine Geschichte, die an Gegensätzen ebenso reich zu sein scheint wie an nützlichen Einsichten über das Glück. Das Buch handelt von der Schweinezüchterin Emma, die eines Nachts einen Mann samt Ferrari im Garten präsentiert bekommt.

Zum Mann, den Emma am Geruch als für sie bestimmt erkennt, findet sie eine Tüte mit Geld. Er heißt Max, hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und soeben seinen einzigen Freund und Chef um Geld und Wagen betrogen.

Die Geschichte der beiden unterschiedlichen Charaktere und die vielen unerwarteten Wendungen machen das Buch lesenswert, wie Lindholm betonte. Zwar sei es keine „leichte Sommerkost”, aber schon durch den teilweise skurrilen Schreibstil die passende Lektüre für Freunde des schwarzen Humors.

In der Pause präsentierte Wolfgang Wittmann an der Gitarre gemeinsam mit vier Sängerinnen des Schulchors das Stück „Dear Mr. President” der amerikanischen Popikone Pink in einer einfühlsamen und melodischen Interpretation. Das zweite Buch stammt von der Autorin Monika Maron. „Ach Glück” zeichnet die Beziehung zweier Menschen nach, die einander satt haben und nach neuen Horizonten suchen.

So beschrieb der stellvertretende Schulleiter Peter Boidol die Handlung des Romans, der an Marons letzten Roman „Endmoräne” anknüpft. Die Erzählzeit entspricht dem zwölfstündigen Flug nach Mexiko, wohin die Erzählerin unterwegs ist. In den Kapiteln wechselt die Erzählperspektive ständig zwischen Johanna und ihrem Ehemann Achim, den sie als pedantischen und introvertierten Menschen beschreibt.

In beiden vorgestellten Büchern, ebenso wie im dritten und letzten, wurde das Ende natürlich nicht verraten. Schließlich wollte das Quartett ja, dass die Bücher gelesen werden.

Trotzdem war es aufschlussreich, wie unterschiedlich die drei Bücher von den drei ausgewählten Lesern aufgenommen worden wurden. Die Diskussion, über die sich viele Zuschauer sicher sehr gefreut hätten, blieb angesichts des herannahenden Anpfiffs des Viertelfinalspiels jedoch sehr begrenzt.

Als Dritter im Bunde präsentierte Susanne Tulke Thommie Bayers Erzählung „Eine kurze Geschichte vom Glück”. Die Unterprimanerin stellte ein Buch vor, in dem der Begriff des Glücks auf den ersten Blick sehr materiell aufgehängt ist. Denn die Hauptfigur, der freie Schriftsteller Robert, gewinnt 6,2 Millionen Euro im Lotto.

Das Problem beginnt schon mit der Frage, wie er es seiner Frau erzählen soll. Und wem er noch trauen kann, wenn sich das mit dem Lottogewinn erst einmal herumgesprochen hat. Tulke beschrieb ein abwechslungsreiches und intelligentes Buch, das sie auch als Strandlektüre empfehlen konnte.

Pünktlich zum Anpfiff endete das literarische Quartett, wie Koch-Wittmann es versprochen hatte. Nach dem Ende der Veranstaltung lud sie diejenigen Zuschauer, die zu einer kommentierten Live-Übertragung auch nicht nein sagen, ganz privat zum gemeinsamen Mitfiebern ein.

Auf der Suche nach dem Glück brachte der Einzug der Löw-Truppe ins Halbfinale sicherlich einige der Zuschauer ein großes Stück weiter.