Das intelligente Eigenheim

Das intelligente Eigenheim

Erkelenz (an-o/wip) - "Gerade in vermeintlich schwierigen Zeiten sind Flexibilität und neue Ideen gefragt", sagt Adolf Sommer. Der 44-jährige Chef eines Ingenieurbüros für Bauwesen in Erkelenz hat sich auf Passivhäuser spezialisiert. Innovativer gehtÔs auf dem Eigenheimsektor derzeit kaum.

Während ein Einfamilienhaus, das noch vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung von 1984 gebaut wurde, leicht bis zu 3000 Liter Heizöl im Jahr schluckt, kommt ein Passivhaus mit dem Energieäquivalent von gerade mal 150 bis 200 Litern aus. Daran kann selbst ein so genanntes Niedrigenergiehaus, das nach Baurecht mittlerweile Mindeststandard ist, nicht tippen. Dort ist der Heizbedarf um bis zu neun Mal höher.

Und nicht nur, weil sich ein Passivhaus auf lange Sicht ganz schön rechnet, ist es für Adolf Sommer die "intelligenteste Art" zu bauen. "Die Welt lebt doch eindeutig über ihre Verhältnisse, speziell was den Rohstoffverbrauch angeht. Wir müssen schnell und kräftig auf die Bremse treten, sonst haben wir ein Ticket auf der Titanic gelöst", sagt der Bauingenieur. Die Brisanz der Lage habe nicht zuletzt Ernst Ulrich von Weizsäcker in dem Buch "Faktor IV" auf den Punkt gebracht. Die Botschaft: Nur wenn es gelingt, jedes Fass Öl viermal so effizient zu nutzen, ist die globale Katastrophe noch zu vermeiden.

Doch was tun nach der Stunde der Erkenntnis? "Ein Transparent zu malen und für eine besser Welt zu demonstrieren, war nicht mein Ding", sagt Sommer. So besann er sich auf die Möglichkeiten, die sein Fach ihm boten: Als der energietechnische Rahmen durch die Wärmeschutzverordnung von 1995 noch vergleichsweise großzügig bemessen war, ging er bereits daran, Niedrigenergiehäuser zu bauen. Aber so exotisch sie seinerzeit für hiesige Baugebiete auch waren, es sollten keine Öko-Wolkenkuckucksheime für reiche Pseudo-Weltverbesserer sein. Ein durchdachtes Konzept mit industriell vorgefertigten Bauelementen machte die Häuser gerade auch für "Normalverdiener" erschwinglich.

Energie-autarkes Haus

Das Gleiche gilt für die Passivhäuser, auf die Sommer umgesattelt hat, seit Anfang vergangenen Jahres das Niedrigenergiehaus zur Standardkategorie avancierte. Und für die nächste Evolutionsstufe der Wärmeschutzverordnung liegen jetzt bereits neue Ideen in seiner Schublade parat. "Ich denke da an ein völlig energie-autarkes Haus. Vielleicht kann der Hausbesitzer später ja sogar seinen zu viel produzierten Strom noch verkaufen", orakelt er. Von einer Flaute am Bau kann also nicht die Rede sein? "Nein, nein: Auf die Idee, mir und anderen so einen Floh ins Ohr zu setzen, käme ich erst gar nicht", schmunzelt Adolf Sommer.