Städteregion: Das DRK will beim Betriebsübergang einen schmerzfreien Aderlass

Städteregion : Das DRK will beim Betriebsübergang einen schmerzfreien Aderlass

In den vergangenen beiden Wochen herrschte dann tatsächlich mal Ruhe. Das war zuletzt recht selten der Fall beim städteregionalen Deutschen Roten Kreuz, das zunächst die Entlassung von bis zu 100 Mitarbeitern ankündigen und anschließend miterleben musste, wie die Gewerkschaft Verdi den Betriebsrat öffentlich bloßstellte und dieser wiederum die Geschäftsführung verbal attackierte.

Ein bisschen täuscht der Eindruck von der Ruhe allerdings auch in diesen Tagen über die tatsächlichen Verhältnisse hinweg. Denn hinter den Kulissen wird weiter mit Hochdruck an der Sanierung und Umstrukturierung des Kreisverbandes und seiner gemeinnützigen Rettungsdienstgesellschaft gearbeitet.

Neben der Begradigung der finanziellen Schieflage müssen dabei auch die Vorbereitungen auf die Veränderungen im Rettungsdienst getroffen werden, die zum 1. Januar 2019 greifen werden. Mit der Neuvergabe der Leistungen in Teilen des Altkreises Aachen, die der Städteregion im zweiten Anlauf für die kommenden fünf Jahre gelungen ist, ändert sich auch für das DRK zur Jahreswende das Auftragsvolumen: Es wird kleiner.

Bei der letzten Vergabe im Jahr 2013 hatte das Deutsche Rote Kreuz mit Ausnahme eines Verlege-Rettungswagens sämtliche (fünf) Lose zugeschlagen bekommen, zukünftig werden die Eifel-Rettungswachen in Roetgen, Simmerath und Monschau-Höfen, die Rettungswache Baesweiler sowie der Notarztstandort Eschweiler/Stolberg vom Malteser Hilfsdienst (MHD) übernommen. Das macht rund die Hälfte des Gesamtauftragsvolumens von jährlich knapp 8,5 Millionen Euro aus.

„Mit dem Zuschlag für zwei von vier Losen kann ich gut leben“, betont Markus Heim. Allerdings bedeutet die Reduzierung auch, dass die Zahl der Mitarbeiter angepasst werden muss. Rund 65 Kollegen sind nach Aussage des Geschäftsführers der Rettungsdienstgesellschaft davon betroffen. Um ihren Arbeitsplatz müssen sie sich wohl dennoch keine großen Sorgen machen. Denn aufgrund der Übernahme der bisherigen DRK-Rettungsdienstleistungen durch den Malteser Hilfsdienst entsteht dort ein entsprechender Personalbedarf.

Ob dieser allein von DRK-Mitarbeitern gedeckt werden wird, erscheint allerdings eher unwahrscheinlich. „Vom rechtlichen Grundsatz her gelten für die durch die Übernahme des Rettungsdienstes Betroffenen die Schutzvorschriften des Betriebsübergangs, wie er im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben ist“, betont Heim. Will heißen, dass die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter beim MHD zu gleichen Konditionen — für zunächst ein Jahr — gewährleistet ist, weil der Gesetzgeber für einen solchen Fall eine sogenannte Veränderungssperre vorgesehen hat.

Allerdings macht der Geschäftsführer keinen Hehl daraus, dass er zumindest einen Teil der vermeintlich scheidenden Belegschaft gerne halten würde. Aufgrund der stetig steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst werde entsprechend mehr Personal benötigt. Und auch da biete das Gesetz eine Option: „Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, dem Betriebsübergang zu widersprechen“, erklärt Markus Heim. In diesem Fall werde er beim Roten Kreuz weiterbeschäftigt.

Bis Ende August soll Klarheit geschaffen werden, kündigt der Geschäftsführer an. Zu diesem Zweck sei man auch im regelmäßigen Kontakt mit dem Malteser Hilfsdienst. „Ziel beider Hilfsorganisationen ist die Sicherstellung des Rettungsdienstes auf professioneller Basis. Und dieses Ziel werden wir auch erreichen.“

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