Heinsberg: Da flossen plötzlich Tränen der Rührung...

Heinsberg : Da flossen plötzlich Tränen der Rührung...

Franz Joseph Lütter ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Tränen der Rührung übermannten ihn nach dem „Genuss” der Missa Regina Angelorum, aufgeführt durch den Kirchenchor Tripsrath unter Leitung von Peter Hilla, an der Orgel Kantor Winfried Kleinen.

Lütter weiß nicht mehr, wann sein Vater, der Alsdorfer Kirchenmusiker und Komponist Johann Lütter (1913 - 1992), die Messe zu Ehren der Himmelskönigin verfasste.

„Ich muss noch ein Junge gewesen sein.” Es fehlte das Geld für Noten, aber auch für einen Verleger. Dennoch ließ Johann Lütter nicht von seinem Vorhaben ab, mit seinen Getreuen die Messen mehrstimmig zu verschönern.

Er verfasste Kirchenmusikwerke am laufenden Band, und hob sie auf, allein sieben Messen. Zehn Jahre nach dem Tode wurde die Johann-Lütter-Stiftung gegründet.

Franz-Joseph Lütter sah die Werke als Vermächtnis an, für das er bereit ist, das gesamte väterliche Erbe zu opfern. Ohne Nachkommen, erblickt er in der Stiftung „sein Kind”. Wider Erwarten stoßen die im Kölner Verlag Dohr gedruckten Werke weltweit auf großes Interesse.

Aus Amerika kamen Bestellungen, und in Deutschland ist der Raum um Stuttgart besonders neugierig auf die Johann-Lütter-Kompositionen. Das gibt der Stiftung neuen Auftrieb.

Hierzulande sind bisher die Kirchenchöre Laffeld und Tripsrath neben dem Chor St. Castor Alsdorf, der Heimatpfarrei des Komponisten, mit den Werken befasst. Darüber hinaus nützt der Konzertpianist Franz Joseph Lütter jede Gelegenheit, die Werke persönlich aufzuführen.

Dem Laffelder Chor wurde kürzlich die Ehre zuteil, die Kurze Messe in D, die der Chor in diesem Frühjahr aufführte, im Kloster Steinfeld zu wiederholen. Dazu reiste eigens der inzwischen in Weeze tätige, ehemalige Chorleiter Rongen an.

An der Orgel saß Sohn Franz-Joseph, was ihm als Pianist jedoch nicht sonderlich behagte. Für das nächste Jahr will sich Regionalkantor Winfried Kleinen mit seinem Gangolfus-Chor eine Messe vornehmen. Darauf freut sich der Sohn als Wahlheinsberger besonders.

Seine Frau Ingeborg ist selbst leidenschaftliche Chorsängerin. Sowohl in Laffeld als auch jetzt in Tripsrath sang sie die Messe mit, obwohl dieser exzellente Chor nicht auf jede Stimme angewiesen ist. Er fühlte sich in St. Gangolf hörbar wohl.

Die Messe verbreitete nach sorgfältiger Einstudierung edlen Wohlklang, was von Propst Honings bis zu den Besuchern geschätzt wurde. In der Kürze lag die Würze.

Das Werk verlangt keine sanglichen Klimmzüge, und ein Laienchor braucht sich nicht zu übernehmen. Hinzu kommt, dass der Komponist mit der volksfrömmigen Marienverehrung spielt. Was ein Franz Nekes für Aachen war, das könnte ein Johann Lütter für den Aachener Raum sein.

Bei den sprichwörtlichen Leisten zu bleiben, bedeutete für ihn, sich an den örtlichen Gegebenheiten zu orientieren. Um so mehr kann dann ein Chor sich den klanglichen Möglichkeiten widmen, und die nutzte Tripsrath in vollen Zügen. Namentlich die Frauen imponierten. St. Gangolf war für Werk und Interpreten wie geschaffen.

Kein Wunder also, dass es den Sohn so gepackt hatte. Das Stiftungsfest fand in Alsdorf mit einem Konzert seine Fortsetzung. Im Anschluss daran wurde die auch von der Bezirksregierung Köln genehmigte Stiftung Johann Lütter der Öffentlichkeit vorgestellt.