Erkelenz: Chancen, Ernüchterung und „Tragödien”

Erkelenz : Chancen, Ernüchterung und „Tragödien”

In Erkelenz, Wassenberg und Selfkant muss am 10. Oktober die Stichwahl über die Besetzung des Bürgermeisteramtes entscheiden.

Der Vorsprung von Peter Jansen (CDU) auf seinen Mibewerber um das Bürgermeisteramt, Ferdinand Kehren (SPD), beträgt fast 20 Punkte. 44,45 zu 25,0 Prozent lautete das Wahlergebnis am Sonntag. Am 10.Oktober ist das Stechen.

„Die Ausgangsposition ist gut”, sagte Jansen, aber sie sei kein Ruhekissen. Nicht ganz zufrieden kann Kehren sein: „Dennoch bin ich noch guter Dinge”. Er will in den nächsten Tagen einen harten, engagierten Wahlkampf führen, um eine Wende in der Wählergunst herbeizuführen.

Wer immer Bürgermeister wird, er hat es mit einer großen Politikvielfalt zu tun. Zwar alle 22 Direktmandate gewonnen zu haben und damit eines mehr als bei der letzten Wahl, aber dennoch mit 44,45 Prozent der Stimmen im 50-köpfigen Rat ohne Mehrheit zu sein, schmerzt durchaus, wie Jansen als CDU-Stadtverbandsvorsitzender zugibt. Die CDU ist auf Unterstützung Anderer angewiesen.

„Ernüchternd” ist für den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Kehren der Verlust von zwei Ratsmandaten. Nur noch zehn Sitze für die SPD, lassen ihn bitter schlucken. „Wir müssen sehen, wie wir uns nach der Stichwahl im Rat verhalten”, gibt er sich vage.

Deutlicher wird der neuen FDP-Stadtrat Christian Peters, der sich über den Zugewinn der Liberalen von einem Sitz freut. Ein Zusammenschluss von fünf Gruppen (SPD, Grüne, Bürgerpartei, FDP und UWG) für eine Mehrheit ist für ihn kein „regierungsfähiges Konzept”.

Die Bürgerpartei hat ein Wahlziel erreicht und die Zahl der Mandate auf vier verdoppelte, derweil die UWG ihre zwei Sitze behalten konnte und der Republikaner ebenso wie der DIHS-Vertreter ohne Fraktionsstatus dem Rat zusätzliche Politfarbe geben.

„Von vier auf sieben Sitze gestiegen”, so jubilierten die Grünen. „Wir sehen uns als Gewinner der Wahl”, sagte die bisherige Fraktionsvorsitzende Beate Schirrmeister-Heinen, „und freuen uns, in Ausschüssen mit zwei Vertretern dabei zu sein.”

Wassenberg. Das Rennen um das Bürgermeisteramt endete mit einem äußerst knappen Vorsprung für den CDU-Bewerber Manfred Winkens. Für ihn wurden 113 Stimmen mehr gezählt als für Manfred Erdweg (SPD).

Mit dem Ausgang der Wahl zufrieden ist Winkens: „Beim letzten Mal lag ich hinten, jetzt bin ich vorn. Das ist eine gute Ausgangsbasis für die Stichwahl.” Zufrieden ist Winkens auch mit dem Abschneiden der CDU, die stärkste Fraktion ist. Winkens: „Jetzt müssen wir die Wähler überzeugen, dass die CDU auch den Bürgermeister stellen muss, damit im Rat Ruhe einkehrt und die gegenseitige Blockadepolitik beendet wird.”

Verluste für Manfred Erdweg und Einbußen für die SPD, da darf man enttäuscht sein. Der Bürgermeister wollte gestern keine Stellung beziehen. Erdweg auf Anfrage: „Ich werde mit meinen Freunden überlegen, wie es weiter geht.”

Sieger der Stadtratswahl ist die Unabhängige Liste (UL). In Myhl holte Jürgen Thüring ein Direktmandat, drei weitere Sitze gibt es über die Reserveliste. Jürgen Thüring: „Aus dem Stand vier Ratsmandate - das ist doch ein großer Erfolg.” Und für welchen Bürgermeister-Kandidaten spricht sich die UL aus? Thüring: „Wir werden heute unsere Strategie überlegen.”

Sieger ist auch die FDP, die wieder mit zwei Vertretern präsent ist. Ihre Vorsitzende Dr. Susanne Beckers: „Von 1,8 vor fünf Jahren auf jetzt 6,8 - da kann man doch sehr zufrieden sein.” Und welchen Bürgermeister-Kandidaten werden die Liberalen unterstützen? Beckers: „Das werden wir heute entscheiden.” Freuen können sich die Grünen, die zwei Sitze haben und damit ihre Mandate verdoppelten. Die NWI büßt einen ihrer beiden Sitze ein. (is)

Selfkant. Bürgermeisterkandidat Herbert Corsten (CDU) ist mit seinem Ergebnis sehr zufrieden. Er meint, dass seine Botschaft, Bürgerwillen und Demokratie umzusetzen, angekommen sei. Er wolle bereits im Vorfeld mit den Bürgern und den anderen Fraktionen sprechen, damit nicht wieder eine Situation wie bei Teuderion, dem Baugebiet in Isenbruch und den Windrädern in Havert entstehe.

Bürgermeisterkandidat Werner Jans (CDU) war auf Anfrage nicht bereit, eine Stellungnahme abzugeben. Ludwig Klinkenberg (CDU) spricht von einer Tragödie für den Selfkant, da die CDU nicht mehr die absolute Mehrheit hat. Es sehe auch noch so aus, als ob der falsche Mann Bürgermeister werde.

Die SPD ist mit ihrem Abschneiden zufrieden, denn sie konnte ihre Sitze halten. Willi Peters: „Der Verlust der absoluten Mehrheit der CDU bringt mehr Diskussion in die Ratsentscheidungen.”

„Hervorragend” beurteilt Alfons Crombeen (FDP) das Wahlergebnis für seine Partei. „Die 18 Prozent sind geknackt und die FDP hat zwei Sitze mehr im Rat .” Seine Partei gibt die Empfehlung ab, Corsten zum Bürgermeister zu wählen. Pro Selfkant sieht sich laut Dr. Harry Hamers neben der FDP als Wahlsieger. Die CDU habe einen Denkzettel erhalten.