Kreis Heinsberg: Bundestagspräsident Lammert zu Gast in Heinsberg

Kreis Heinsberg : Bundestagspräsident Lammert zu Gast in Heinsberg

Die intelligenteste, aber auch komplizierteste und anspruchsvollste Antwort auf die Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung sei Europa. Dies sagte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU) am Mittwochnachmittag in seiner Rede bei einer Wahlkampfveranstaltung der Union vor mehr als 200 Zuhörern in der Heinsberger Stadthalle.

Er sprach sich für das Teilen von Souveränität und die gemeinsame Wahrnehmung von Verantwortung aus. Mit Blick auf Deutschland erklärte er: „Unsere Relevanz beruht auf unserer zentralen Rolle in Europa. Wir spielen die Rolle, die wir spielen, weil wir Europäer sind, weil wir das größte, leistungsstärkste, stabilste und wirtschaftlich am weitesten entwickelte Land in Europa sind.“

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Heinsberg: Flankiert von Bürgermeister Wolfgang Dieder (l.) und vom Abgeordneten Wilfried Oellers verewigte sich Norbert Lammert in der „Autogrammsammlung“.
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Heinsberg: Flankiert von Bürgermeister Wolfgang Dieder (l.) und vom Abgeordneten Wilfried Oellers verewigte sich Norbert Lammert in der „Autogrammsammlung“. Foto: Anna Petra Thomas

Als Bundestagspräsident hat Lammert, der gerade zurückgekehrt war von einer Parlamentspräsidentenkonferenz in der norwegischen Hauptstadt Oslo, protokollarisch das zweithöchste Staatsamt inne. So sprachen am Mittwoch viele von der großen Ehre und Wertschätzung, die mit diesem prominenten Polit-Besuch in Heinsberg verbunden seien. Dies stellte Wilfried Oellers, der gastgebende Bundestagsabgeordnete der Union, ebenso fest wie Bürgermeister Wolfgang Dieder als Repräsentant der Kreisstadt, aber auch Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter der Lebenshilfe.

Sie hatten Lammert in dem von ihnen betriebenen Museumscafé Samocca begrüßen, bewirten und begegnen dürfen. Da freute sich nicht nur Vorsitzender Klaus Meier, der daran erinnerte, dass zum 25-jährigen Bestehen der Lebenshilfe die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth in Heinsberg zu Gast gewesen sei — nun ein Jahr nach dem „50-Jährigen“ also Lammert, der sich beeindruckt zeigte „von der Motivation und von dem Optimismus“, die im Engagement der Lebenshilfe zu spüren seien.

In der Stadthalle dankte Lammert für die freundliche Einladung und den liebenswürdigen Empfang. Seiner Frau müsse er derzeit oft erklären, warum er so viel im Wahlkampf unterwegs sei, obwohl er doch gar nicht mehr zur Wahl stehe, verriet Lammert und sprach von einer ungewohnten „Versuchsanordnung“. Gefühlt habe er mehr Einladungen erhalten, als es Wahlkreise in Deutschland gebe, weil eben auch andere Parteien solche ausgesprochen hätten.

„Ich weiß aber schon noch, wo ich herkomme und wo ich hingehöre“, so der CDU-Politiker. Für den Besuch im Kreis Heinsberg habe es zwei Argumente gegeben: „Das eine ist der Kandidat.“ Er lobte Oellers als bewährten Abgeordneten, der schon in seinen ersten vier Jahren im Parlament sowohl in der nordrhein-westfälischen Landesgruppe der CDU als auch im Ausschuss für Arbeit und Soziales seine Handschrift hinterlassen habe. Als zweites Argument nannte er die Tatsache, dass Heinsberg der westlichste Wahlkreis der Republik sei, der am tiefsten in das gemeinsame Europa hineinrage.

In seiner Tour d‘Horizon durch Europas jüngere Geschichte verschwieg Lammert die Annexion der Krim durch Russland ebenso wenig wie den Putschversuch in der Türkei, genau genommen seien es zwei: erst von Teilen des Militärs gegen die Regierung und dann von der Regierung gegen die Verfassung.

Das Brexit-Votum der Briten bewertete Lammert als „historische Fehlentscheidung“, bei der es jetzt nur noch um Schadensbegrenzung gehen könne. Es gebe viele Entwicklungen, die zeigen würden, dass nichts für garantiert und selbstverständlich gehalten werden könne. Auch nach Amerika blickte Lammert kurz: Ihm falle zu diesem Präsidenten nichts mehr ein, „das ich freiwillig öffentlich vortragen möchte“.

Ansehen und Einfluss Deutschlands in der Welt seien noch nie so groß gewesen wie jetzt, so Lammert. Dies sollte mit Demut zur Kenntnis genommen werden angesichts der Geschichte und dessen, „was wir diesem Kontinent angetan haben“. Zu seinem leidenschaftlichem Plädoyer für Europa, das die Zuhörer mit viel Beifall im Stehen bedachten, passte sein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Heinsberg: „Mit den besten Wünschen für die Stadt und ihre Bürgerschaft und den gemeinsamen Beitrag unseres Landes für ein friedliches, freies und demokratisches Europa!“

(disch)