Wegberg: Buchfreunde entdecken neue Seiten von London

Wegberg : Buchfreunde entdecken neue Seiten von London

Der Rahmen passte: In der denkmalgeschützten Molzmühle präsentierte Rebecca Gablé ihren dritten historischen Roman „Der König der purpurnen Stadt”.

In der Idylle des alten Gemäuers entführte die erfolgreiche Autorin ihr zahlreiches Publikum in das London des 14. Jahrhunderts.

Hatten die Veranstalter, Brigitte Hoyer als Inhaberin der Mühle und Buchhändler Ulrich Kirch, zuvor noch Skepsis gehegt, ob viele Buchfreunde den Weg ins Schwalmtal finden würden, so wurden sie angenehm überrascht und von den andrängenden Interessenten nahezu überrannt.

So hockten die vielen Zuhörer schließlich dicht gedrängt im Raum und hingen förmlich an den Lippen der Autorin aus Wickrath. Sogar diese Enge vermittelte Atmos- phäre.

Literaturwissenschaftlerin und Kennerin des Mittelalters

Eng ging es auch zur damaligen Zeit in der Handelsstadt London zu, wie die studierte Literaturwissenschaftlerin und Kennerin des Mittelalters verriet: „London ist im Jahre 1330 ein bunter, pulsierender und auch schrecklicher Ort.”

Bereits mit ihren Romanen „Das Lächeln der Fortuna” und „Das zweite Königreich” hatte Rebecca Gablé Themen aus dem England des Mittelalters verarbeitet. Mit dem „König der purpurnen Stadt” knüpft sie daran an, ohne dass dieser Roman eine Fortsetzung wäre. Ein Gedicht von Verschwendern und Geizhälsen, das sie während der Studienzeit in Düsseldorf gelesen und interpretiert hatte, gab der Autorin die Inspiration zu diesem Roman.

Handeln, leben und sterben

Mit einer kleinen einleitenden Diashow gab die Schriftstellerin die ersten visuellen Eindrücke. Gemälde aus der damaligen Zeit zeigen Ausschnitte aus der Realität des Handelns, Lebens und Sterbens.

In diese Realität hinein platziert Rebecca Gablé ihre Fantasie: die Geschichte des fiktiven Tuchhändlers Jonah Durham, der vom 18-jährigen Lehrjungen aufsteigt zum Tuchhändler und Bankier der Krone. Diese Fiktion ist eingebettet in die Realität mit König Edward III. und Königin Philippa von Hainault.

Philippa ist für Rebecca Gablé die historische Hauptfigur, die Frau, die die Fäden in der Hand hält, ihren politischen Einfluss geschickt ausnutzt, die britische Tuchproduktion revolutioniert, „nebenher noch zwölf Kinder gebiert” und obendrein „hoffnungslos prunksüchtig” ist.

Rebecca Gablé zeichnet in dem 960 Seiten starken Roman ein farbenfrohes, von Geschichten und Geschichtchen überquellendes Bild, das fantasievoll Geschichte des 14. Jahrhunderts lebendig werden und bei der Lesung die Zuhörer staunend und gebannt verweilen lässt.

Die erste Begegnung von Jonah und Edward, das Treffen von Philippa und Jonah, eine politische Diskussion; drei Szenen, die die Autoren vorlas - und die Appetit auf mehr machten.