Kreis Heinsberg: Brombeeren bedrohen Hasenglöckchen in Naturschutzgebiet

Kreis Heinsberg : Brombeeren bedrohen Hasenglöckchen in Naturschutzgebiet

Im Volksmund ist vom „Wald der blauen Blumen“ die Rede: Die Flächen mit der ­atlantischen Wildart des ­Hasenglöckchens (Hyacinthoides non-scripta) auf dem Gebiet der Stadt Hückelhoven haben bei vielen Naturfreunden einen besonderen Stellenwert.

Denn die großflächigen Vorkommen zwischen Doveren und Baal (im Naturschutzgebiet „Am hintersten Berg“) sowie nahe Doverheide (In den Brüchen) gelten als einziger natürlicher Bestand in Deutschland. Aber: „Der Bestand des Hasenglöckchens ist durch das Überwuchern mittels Brombeeren in Teilbereichen des Naturschutzgebietes akut bedroht.“ Mit dieser Nachricht schreckte die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Heinsberg in der Verwaltungsvorlage für die Sitzung des Naturschutzbeirates auf.

Festsetzung im Landschaftsplan

„Der Bestand gehört zur belgischen Population und ist ein Restbestand eines ursprünglich deutlich größeren Vorkommens, was Kleinbestände des Hasenglöckchens in Restwäldern zwischen Baal und Rurich sowie weiter bis nach Jülich und Düren zeigen“, erklärte die Verwaltung. Im Landschaftsplan III/8 „Baaler Riedelland und obere Rurniederung“ sei im Jahr 2016 eine circa 8,8 Hektar große Waldfläche als Naturschutzgebiet „Am hintersten Berg“ festgesetzt worden.

Und zur Erreichung und Erhaltung des Schutzzwecks — sprich zur Erhaltung und Entwicklung des Vorkommens des Hasenglöckchens — sei unter anderem die Entnahme von Brombeeren zur Sicherung des Hasenglöckchen-Bestandes im Landschaftsplan festgesetzt worden.

Der hohe Stickstoffeintrag aus der Luft und mehr Lichteinfall als früher — vor einigen Jahren extra für die Hasenglöckchen geschaffen — hätten die Brombeeren explodieren lassen, erfuhren die Beiratsmitglieder. „Greifen wir ein?“ Dies war eine Frage, die nun zu klären war. Und vor allem: „Wie?“

Eine Mähaktion von Hand oder der Einsatz eines Brombeer-­Rechens wurden von der Verwaltung ebenso verworfen wie eine Beweidung mit Ziegen oder eine Verdunkelung mit Folien. Schließlich wurde der Einsatz von Herbiziden, also von Unkrautbekämpfungsmitteln, die störende Pflanzen abtöten sollen, als Möglichkeit aufgezeigt: „Spritzen wir?“ Dies sei „die Frage der Fragen“. Die Untere Landschaftsbehörde hatte an zwei kleinen Testflächen bereits einen Versuch unternommen: mit Glyfos und mit Garlon. Testsieger: Garlon. Die Brombeeren würden absterben, die Bäume stünden wie unangetastet da.

„Es ist schon erstaunlich, was Pflanzenschutzmittel heute leisten können“, so Norbert Dismon vom Amt für Umwelt und Verkehrsplanung im Beirat. Aber die Samen der Brombeeren blieben natürlich trotzdem im Boden, weshalb Spritzaktionen nach einigen Jahren wohl wiederholt werden müssten.

„Absolute Ausnahme“

„Aus prinzipiellen Gründen“ halte er es für nicht gut, im Naturschutzgebiet zu spritzen, sagte Michael Straube. Er stimmte letztlich auch als einziges Beiratsmitglied mit Nein. Bei drei Enthaltungen sagte allerdings die Mehrheit im Naturschutzbeirat Ja. Garlon sei das Mittel der Wahl, so Claus Gingter. Das Naturschutzgebiet sei eingerichtet worden, um die Hasenglöckchen zu erhalten.

Nun solle man nicht wegen der drei Buchstaben NSG auf den Schritt verzichten, der die Hasenglöckchen erhalten könne. Von ihm wurde aber ebenso wie von anderen Beiratsmitgliedern und auch von Verwaltungsseite betont, dass ein solcher Einsatz von Herbiziden in einem Naturschutzgebiet „die absolute Ausnahme“ sein werde.

(disch)