Wassenberg: Britta von Lojewski mit der Goldenen Schlemmer-Ente ausgezeichnet

Wassenberg : Britta von Lojewski mit der Goldenen Schlemmer-Ente ausgezeichnet

Erstmals ist am Sonntag eine Frau mit der Goldenen Schlemmer-Ente ausgezeichnet worden.

Die Aktionsgemeinschaft Schlemmer-Markt Rhein-Maas und die AZ (Heinsberger Zeitung) ehrten am Sonntag auf dem Roßtorplatz in Wassenberg Britta von Lojewski, die Fernsehmoderatorin vom „Kochduell” (VOX).

Zu den Gratulanten gehörten Hans Brender und Hans Theo Limburg im Namen der Aktionsgemeinschaft sowie AZ-Regionalredakteur Dieter Schuhmachers und Goldschmiedemeister Dieter Oskar Mai.

Hans Theo Limburg nahm in seiner Laudatio Bezug auf Brillat-Savarin, den „ersten Feinschmecker der Moderne”. Brillat-Savarin habe seiner Nachwelt nicht nur sein weltberühmtes Buch „Physiologie des Geschmacks” hinterlassen, sondern er sei auch der Verfasser eines Essays über das Duell.

Der Jurist habe beide Aspekte, das Genießen und das Duellieren, getrennt behandelt, aber als Gerichtspräsident habe er einen berufsbedingten und praktischen Sinn für Synthesen gehabt. Limburg: „Ich stelle mir vor, dass ihm der Gedanke gefallen hätte, Kontrahenten in einem Kochduell wieder gütlich genießend zu versöhnen.”

Zu Brillats Zeit, am Übergang des 18. zum 19. Jahrhundert, als Gesellschaft und Gastronomie revolutioniert worden seien, „waren die Disziplinen noch streng getrennt, und es fehlte die verbindende Kraft des Fernsehens”, so Limburg.

„Ob die erste Fernseh-Live-Testsendung der Geschichte tatsächlich die Direktübertragung einer kochenden Hausfrau gewesen ist, wie oft kolportiert wird, weiß ich nicht mir Sicherheit zu sagen”, sagte Limburg und erinnerte an Fernsehköche: Clemens Wilmenrod, Showmaster Vico Torriani, Paul Bocuse, Alfred Biolek, Christiane Herzog und an Johann Lafer, der 2002 in Wassenberg geehrt worden war.

Kochsendungen seien groß in Mode, stellte Limburg fest. „Zwischen traditioneller Aalsuppe und frittiertem Zitronengras ist uns fast nichts mehr wirklich fremd.

Aber was machen Sie in 20 Minuten mit zwei Stück Haifischsteak, einer Packung Blätterteig, fünf frischen Feigen, drei Kartoffeln, einem Glas Oliven mit Paprikapaste, einer Packung Roquefort und einer roten Zwiebel? Trotz aller telegener Hilfsstellungen hätten Sie es bis vor kurzem nicht gewusst.

Mit den kläglichen 9 Euro 99, die Ihnen bei diesem Einkauf zur Verfügung stehen, wären sie nackt verzweifelt oder bestenfalls in den nächsten Stehimbiss geschlichen.

Heute wissen Sie oder könnten es zumindest wissen, dass Sie aus den angegebenen Zutaten und zu dem genannten Preis ein exzentrisches, Aufsehen erregenden, Ihnen sehr wahrscheinlich unbekanntes Menü zubereiten könnten, mit dem Sie immer Ehre als versierte Köchin oder tief getauchter Koch einlegen würden: Haifischsteak auf Kartoffel-Auberginen-Bett mit Estragon-Vinaigrette. Und als Dessert Feigen in Cognac-Sahne mit Zimt-Grissini.”

Aufmerksame „Kochduell”-Zuschauer seien mittlerweile geschult und jeder noch so komplizierten Kühlschranksituation gewachsen.

Echte Kochduell-Fans, vermutete Limburg, würden es beschämend finden, mit einem gut gefüllten Einkaufskorb in der Küche zu erscheinen. Ein Lehrsatz von Brillat-Savarin besage, dass die größte Tugend des Feinschmeckers die Neugier sei. Neugier müsse aber geweckt werden.

Es sei ein besonderes Verdienst von Britta von Lojewski, diese Neugier alltäglich neu zu wecken. Sie halte die Töpfe ihrer jungen wilden Koch-Crew unter verbalem Volldampf und sorge dafür, dass die Begeisterung ihres Publikums auch im siebten Jahr nicht nachlasse.

„Nach wie vor sind wir an neuen Hähnchenbrust-Varianten interessiert, an Emupäckchen, Wurzel-Pürees, Gemüsehauben, exotischen Saucen und bodenständigen Grundrezepten.”

Die improvisierte Kochkunst ihres mit allen Kochwassern gewaschenen Teams zeige im Windschatten seiner schnellen Moderatorin eine Crossover-Küche ohne Vorurteile und Berührungsängste.

Die Kochduelle hätten viel zur Verbesserung der Esskultur beigetragen und gelehrt, dass Zeitmangel keine Entschuldigung für Phantasielosigkeit und schlechte Küche sein dürfe.

Britta von Lojewskis auf den Punkt gebrachte Schlagfertigkeit vermittele überzeugend, dass Kochgenuss, Esslust und Lebensfreude ganz eng miteinander verbunden seien.

Limburg: „Genuss ist ein lustvolles Gefühl. Dieses Gefühl und die Sinnlichkeit des Essens durch die technischen Kanäle unserer sterilen Fernsehapparate zu bringen, die nicht duften, nicht riechen, nicht schmecken, ist die Dauerleistung, die mit unserer Schlemmer-Ente geehrt werden soll.”