Erkelenz: Bombenalarm ohne Angst und Schrecken

Erkelenz : Bombenalarm ohne Angst und Schrecken

Um 11.05 Uhr war der ganze Spuk vorbei. Mehrere Dutzend Einsatzkräfte, die A 46 musste für etwa eine halbe Stunde komplett gesperrt werden, der Zugverkehr stand für diese Zeit still. Bis Jost Leisten grünes Licht gab.

Dann konnten die Dinge an der Stadtgrenze zu Mönchengladbach wieder ihren normalen Lauf nehmen. Der Sprengmeister hielt die Trophäe in seinen Händen: Zünder mitsamt Detonator hatte er vorsichtig entfernt. Seine Arbeit war damit getan. Die Bombe war entschärft.

Im Umkreis von 500 Metern muss alles hermetisch abgeriegelt sein. Für den Fall der Fälle. Doch keiner rechnet wirklich damit, dass die Bombe hochgeht.

„Für mich ist das nicht aufregend, da hab ich schon größere Bomben gesehen”, spricht Wolfgang Linkens für die Allgemeinheit, die die Ruhe selbst ist.

Trotzdem müssen die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Der Chef der Erkelenzer Feuerwehr, gleichzeitig Sachbearbeiter für Kampfmittelangelegenheiten, ist zusammen mit seinen Kollegen dafür zuständig, eine Landstraße und zwei Wirtschaftswege auf Erkelenzer Seite abzusperren.

Um kurz vor zehn startet der Dreiertrupp von der Feuerwache in Richtung Herrath. Eine Dienstbesprechung ist für 10.15 Uhr in einer ansässigen Fruchtssaftfabrik anberaumt, in der die wesentlichen Vorgänge noch mal geklärt werden sollen.

„Wir nehmen Kanal 438”, einigen sich die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr. Die Vorbereitungen können beginnen.

Zwei Tage zuvor: Baggerführer Andreas Jungblut sitzt in seinem Führerhäuschen und schaufelt den Weg frei für eine Wassertransportleitung, die RWE Rheinbraun in direkter Nähe zur A 46 baut.

Der Vormittag hat schon begonnen, als der Mann mit seiner Schaufel auf Metall stößt. Er hätte sofort gewusst, womit er es in 2,5 Meter Tiefe zu tun habe: „Ich hab die Bombe von oben schon sehen können.” Die Arbeit wird niedergelegt, der Vorgesetzte benachrichtigt.

Freitag, 10.30 Uhr: Die Absperrungen stehen. Um 10.35 Uhr rauscht der letzte Zug vorbei, ein ratterndes Signal für den Beginn der Bombenentschärfung.

Außer Jost Leisten und seinen Mitarbeitern vom Kampfmittelräumdienst Düsseldorf darf sich niemand mehr näher als 500 Meter von der amerikanischen Bombe entfernt aufhalten. In Josts Gepäck befinden sich lediglich eine Zange, eine Ratsche und eine Drahtbürste.

Die nächsten 25 Minuten herrscht Stille. Die Polizisten warten auf den klärenden Funkspruch, die Bauarbeiter auf das Weiterführen ihrer Arbeit an der Wasserleitung.

„Für uns ist das Routine”, erklärt Frauke Müllensiefen von RWE Rheinbraun, „das passiert hier oft im Rheinland.” Baggerführer Jungblut hatte es allerdings bisher nur mit Granaten zu tun. In diesem Fall handele es sich aber schon um ein größeres Fundstück: 250 Kilo schwer mit 100 Kilo Sprengstoff unter dem Metallmantel.

Der Sprengmeister muss die Zündung am hinteren Ende der Bombe entfernen. So wird das gefährliche Gut seiner Brisanz beraubt. Um fünf Minuten nach elf Uhr dann die Durchsage: Das Unternehmen ist geglückt. Jost Leisten hockt in der Grube, in der Hand hält er den Zünder. „Das Ding hing sehr fest”, berichtet er, so dass seine Arbeit ungewöhnliche 20 Minuten gedauert hat.

Der Mann, der gar nicht mehr zählen kann, wie viele Bomben er schon in seinem Leben entschärft hat („ich hab bei 100 aufgehört zu zählen”), koordiniert den Abtransport mittels eines Baggers. „Zu Routine darf meine Arbeit nie werden, denn dann schleichen sich die Fehler ein”, warnt der Sprengmeister, während die Bombe an einem Seil befestigt in der Luft hängt.

Der letztliche Beweis für ein Gelingen der Aktion ist der Zug, der um 11.10 Uhr auf den zehn Meter entfernten Schienen vorbeifährt. Bahnstrecke und Autobahn sind wieder freigegeben.

Josts Mitarbeiter säubern die Bombe mit Spaten zum Abtransport in ein Lager nach Düsseldorf. Jetzt könnte nur noch etwas passieren, wenn der Lkw in einen Unfall verwickelt wird. Ansonsten wäre alles dann nur noch Routine...

Während der Entschärfung wurden die Autobahn 46 zwischen dem Autobahnkreuz Wanlo und der Anschlussstelle Erkelenz-Ost sowie die Bahnstrecke von Aachen nach Mönchengladbach vollständig gesperrt. Die Polizei hat den Verkehr von der Autobahn abgeleitet.

„Es gab keinen Stau, das hat alles gut geklappt”, bestätigte Hermann Badenheber von der Autobahnpolizei Mönchengladbach. Auch auf den Zugverkehr hatte die Bombenentschärfung keine großen Auswirkungen.

„Einen Ausfall zwischen Mönchengladbach und Erkelenz gab es, und zwei Züge mit drei Minuten Verspätung”, berichtete Jürgen Kugelmann, Pressesprecher der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen.