Hückelhoven-Brachelen: Bocks: „Bistum dreht Gemeinden den Hals zu”

Hückelhoven-Brachelen : Bocks: „Bistum dreht Gemeinden den Hals zu”

Das Bistum stößt mit der Einführung von vier Verwaltungszentren, die die bisher in den Kirchengemeinden selbst geleistete Arbeit übernehmen sollen, auf massiven Widerstand. Die Kirchengemeinde St.Gereon Brachelen ist Wortführer der Gegner des Verwaltungszentrums, das für die Kirchengemeinden im Kreis Heinsberg in Erkelenz angesiedelt wurde.

Unser Redakteur Norbert Schuldei sprach mit Heinz-Josef Schmitz, stellvertretender Kirchenvorstand in St.Gereon, und Hermann-Josef Bocks, Mitglied im Kirchenvorstand von St.Gereon über die Hintergründe des Konfliktes mit dem Bistum.

Die Katholische Kirchengemeinde St.Gereon weigert sich standhaft, dem vom Bistum Aachen eingerichteten Verwaltungszentrum in Erkelenz beizutreten. Warum?

Schmitz: Unter anderem, weil die Einrichtung von Verwaltungszentren eine Reaktion des Bistums Aachen auf dessen marode Finanzwirtschaft in den letzten Jahren ist. Wir sollen jetzt also den maroden Bistumshaushalt sanieren. Und jetzt wird permanent versucht, die Kirchengemeinden, die dem Zentrum in Erkelenz nicht beitreten wollen, dazu zu zwingen.

Wie sehen denn diese Zwänge aus?

Bocks: Beispielsweise droht das Bistum allen Kirchengemeinden mit einer Pauschalkürzung der Finanzzuweisungen aus der Kirchensteuer in Höhe von 30 Prozent. Dabei soll das Kirchensteueraufkommen nach neuesten Zahlen, die teilweise von der Bistumsleitung bestätigt worden sind, in diesem Jahr im Vergleich zu 2003 lediglich um 16 Prozent sinken.

Schmitz: Aufgrund der Basiszahlen der Schlüsselzuweisungen aus dem Jahr 2003 sollen die Kirchengemeinden jetzt eine Kürzung von 30 Prozent verkraften. Das ist eine Strafe, gegen die man sich wehren muss.

Fassen Sie bitte die eigentliche Kritik an den Verwaltungszentren einmal kurz zusammen.

Schmitz: Nach der Prüfung durch die Unternehmensberatung Droege&Comp versucht das Bistum hinsichtlich der Haushaltskonsolidierung und des Personalabbaus in den kommenden Jahren, eine nicht ausgereifte Software, eine viel zu aufwändige und teure Kontenplanführung

Bocks: - da gibt es mehr als 3000 Konten

Schmitz: - und die doppische Haushaltsführung einzuführen. Für die überwiegend ehrenamtlichen Mitglieder der Kirchenvorstände vor Ort eine unmöglich zu leistende Aufgabe. Der Umstellungsprozess soll mit der Brechstange durchgesetzt werden.

Es geht aber auch um das Geld, mit dem die Gemeinden ihre Aufgaben finanzieren.
Schmitz: Ganz genau. Und das Geld kommt von den Menschen in den Gemeinden. Die haben ein Recht darauf, für dieses Geld und für das kirchliche Leben vor Ort eine angemessene Finanzausstattung zu erhalten. Damit das Leben in den Kirchengemeinden weiter existieren kann.

Bocks: Man sollte bei der Bistumsleitung nicht vergessen, dass die Kirchensteuereinnahmen aus den Gemeinden erzielt werden. Sie werden lediglich in einem technischen Sammelverfahren über die Landesfinanzverwaltungen im Bistumshaushalt vereinnahmt.

Sie fürchten also, dass mit der Einrichtung des Verwaltungszentrums den Kirchengemeinden der erforderlicher finanzielle Spielraum genommen wird.

Bocks: Wenn man es drastisch ausdrückt, würde man sagen: Das Bistum dreht den Kirchengemeinden mit Mafia-Methoden den Hals zu. Seit einem Jahr bringen wir dem Bistum unsere Argumente vor - aber hören absolut keine Reaktion aus Aachen darauf. Das Bistum reagiert auf unsere Anliegen wie der Mond, der vom Hund angebellt wird: Gar nicht. Wir empfinden es als eine bodenlose Frechheit, wenn die für uns zuständigen Herren in Aachen nicht ein Mal mit uns über unsere Sorgen, Ängste und auch Nöte reden. Auf den groben Klotz, den das Bistum uns vorsetzt, gehört ein noch gröberer Keil. Und den nehmen wir jetzt zur Hand.

Schmitz: Wir wollen und werden uns die Selbstständigkeit und Eigenständigkeit unserer Kirchengemeinde nicht aus der Hand nehmen lassen. Das betrifft Personal, Finanzen, Bau und Liegenschaften.

Die Ablehnungsfront bröckelt allerdings: In Hückelhoven haben sich außer Brachelen, Baal, Doveren und bis heute auch St.Lambertus die übrigen sechs Kirchengemeinden im Stadtgebiet für den Beitritt zum Verwaltungszentrum des Bistums entschieden.

Schmitz: Das stimmt. Und wir bedauern das sehr, vor allen Dingen das Umfallen der größten Kirchengemeinde im Stadtgebiet Hückelhoven, nämlich Ratheim. Andererseits ist es auf überregionaler Basis durch Veranstaltungen in Aachen, Brachelen und Düren zu Solidaritätserklärungen der Kirchengemeinden gekommen, die dem Verwaltungszentrum nicht beitreten wollen. Das macht Mut.

Bocks: Als Folge dieser Veranstaltungen ist jetzt das Aktionsbündnis „Kirche vor Ort” entstanden. Das Bistum versucht, uns finanziell zu brechen. Aber wir haben mit Pfarrer Klaus Buyel in Arsbeck und Dechant Portz in Wassenberg-Myhl zwei Geistliche, die wie wir sagen: Lasst die Kirchensteuer vor Ort. Also in den Gemeinden.