Blootwosch in Lederhose

Blootwosch in Lederhose

Was macht der Kreisheinsberger, wenn es für die Spätkirmes nun wirklich langsam zu kalt ist und es einfach noch zu lange dauert, bis am 11.11. endlich der Hoppeditz erwacht - es sei denn, man ist so schmerzfrei wie die Stadt Erkelenz, wo man schon im September im Kostüm durch die Gegend rennt und Kamelle schmeißt?

Ganz einfach, der Kreisheinsberger wird multikulturell und lässt ausnahmsweise auch mal ausländische Bräuche zu, wenn sie denn dem zwanglosen Feiern dienen. Die Rede ist vom bayerischen Oktoberfest, das ja zurzeit im Kreis Heinsberg an jeder Straßenecke stattfindet. Während bis vor ein paar Jahren nur die klassischen Oktoberfest-Dörfer wie Haaren und Kuckum diese zusätzliche Feiergelegenheit für sich entdeckt hatten, gibt es mittlerweile kaum noch ein Dorf, das sich ohne Oktoberfest trocken von Kirmes zu Karneval hangelt.

Blutwurst lecker, Mädchen auch

Damit zeigen wir uns weit offener und toleranter gegenüber fremdartigen Sitten als etwa der Bayer. Wir brüllen laut "O´zapft is" durchs Zelt, obwohl diese obskuren Laute für jeden Rheinländer eine logopädische Herausforderung darstellen. Wir tragen alberne Lederhosen und bescheuerte Dirndl. Oder wir versuchen zu Schuhplattlern, obwohl wir dabei aussehen wie Joe Cocker bei der Krankengymnastik. Aber haben sie jemals einen Münchner gesehen, der am 11.11. auf dem Marienplatz mit einer roten Nase im Gesicht "Blootwosch, Kölsch und en lecker Mädche" grölt?

Gut, in München gibt es auch so etwas ähnliches. Das heißt hier Fasching, und der Marienplatz wird zur - aufgepasst - "Gaudizone", aber so etwas Karneval zu nennen, wäre das gleiche, als wenn man allen Ernstes behaupten würde, der Papst sei evangelisch. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Feiern und eine Maß auf die Völkerverständigung.