Erkelenz: Bistum erarbeitet Leitlinien zur Umsiedlung

Erkelenz : Bistum erarbeitet Leitlinien zur Umsiedlung

Was für Otzenrath schon Praxis ist, könnte demnächst für Borschemich, Immerath, Lützerath und Pesch Realität werden.

Die Auseinandersetzung des Bistums Aachen mit den Pfarreien im Zusammenhang mit der drohenden Umsiedlung wegen des Braunkohletagebaus Garzweiler II.

Das Bistum Aachen hat der Pfarre St. Simon und Thaddäus in Otzenrath weitere Gespräche und Beratungen über die künftigen kirchlichen Angebote nach der Umsiedlung des Ortes vorgeschlagen.

Es sei sinnvoll, „gemeinsam die weiteren Überlegungen zu den pastoralen und baulichen Konsequenzen der getroffenen Einscheidungen zu tätigen”, heißt es in einem Brief von Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Hauptabteilungsleiter Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat, an den Pfarradministrator, Pfarrer Ludwig Zermahr, sowie Vertreter des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates.

Dabei sollten auch die weiteren Verantwortlichen der zukünftigen Gemeinschaft von Gemeinden (GvG) Jüchen, zu der Otzenrath gehören wird, als Grundstruktur des pastoralen Handelns einbezogen werden.

In seinem Schreiben regte Cremer an, zu den Beschlüssen der Bistumsleitung in einer Pfarrversammlung Stellung zu beziehen.

Generalvikar Manfred von Holtum hatte in der vergangenen Woche die Gemeinde darüber informiert, dass die Kirchengemeinde nach der Umsiedlung am neuen Ort nicht mehr als selbstständige Pfarrei nach kanonischem Recht errichtet werden wird.

Stattdessen sollen die Gemeinden St. Simon und Thaddäus in die neu zu gründende GvG Jüchen eingebunden werden.

Trotzdem werde es weiterhin eine deutliche kirchliche Präsenz im umgesiedelten Gebiet mit einem Ort für Gebet, Begegnung und Aktivitäten geben, so von Holtum. Die Bistumsleitung hat der Gemeinde die Errichtung eines Gemeindezentrums mit eigenem Kirchenraum, Begegnungsmöglichkeiten und katholischem Kindergarten vorgeschlagen. Auch soll es am neuen Standort einen katholischen Friedhof geben.

Das Bistum kündigte an, künftig bei weiteren Umsiedlungsprozessen mit den betroffenen Gemeinden zu entscheiden, ob am Umsiedlungsstandort eine neue eigenständige Pfarre errichtet werde. Wesentlich sei die Sicherstellung des personalen Angebotes für das Handeln der Kirche am Ort.

Konkret bedeutet dies: „Das Bistum hat in dieser Woche mit der Gemeinde Immerath ein Gespräch geführt”, so Cremer. Derzeit würden Leitlinien für Umsiedlungen erarbeitet. Sie seien einer Arbeitsgruppe in Immerath vorgelegt worden. Diese Leitlinien müssten nur noch ratifiziert werden.

Zwei Kriterien sind für Cremer wesentlich: Erstens wird es am Umsiedlungsstandort eine kirchliche Präsenz geben, die auch in einem Bauwerk erkennbar ist.

Zweitens ist zu prüfen, ob es sinnvoll ist, an einem Umsiedlungsort eine neue Pfarre zu gründen. Der Priestermangel und die jetzt bereits bestehenden Weggemeinschaften seien dabei wichtige Kriterien.

Auch dürfe die finanzielle Situation nicht unterschätzt werden. Der Gebäudeunterhalt koste viel Geld. An anderen Stellen baue das Bistum seinen Immobilienbestand ab. „Was ist realistisch? Was kann eine Pfarre auch noch in zehn Jahren brauchen und finanzieren?”, fragte Cremer.