Städteregion: Bildungstag: Auf die Kinder wird viel zu selten gehört

Städteregion : Bildungstag: Auf die Kinder wird viel zu selten gehört

Bei der Gestaltung der Zukunft werden ausgerechnet jene viel zu wenig gefragt, die es am meisten betrifft: die Kinder. Wie diese konkret besser an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und damit auch Verantwortung übernehmen können, ist besonders für Bildungseinrichtungen ein wichtiges Thema.

Über 600 Vertreter von Schulen, Kitas und außerschulischen Lernorten aus der Region haben sich damit auf Initiative des Bildungsbüros der Städteregion an zwei Tagen in Aachen und Würselen beim Bildungstag 2016 beschäftigt.

Neben dem familiären Umfeld sind die Bildungseinrichtungen jene Orte, an denen Kinder wohl die meiste Zeit verbringen. Dort findet ihre Sozialisation statt, dort lernen sie Freunde und Konflikte kennen. „Wir Erwachsenen dürfen nicht immer denken, dass wir allein wüssten, was gut für die Kinder ist“, mahnte Susanne Schwier, Schuldezernentin der Stadt Aachen, bei der Abendveranstaltung in der Aula Carolina in Aachen.

„Aber wir müssen trotzdem auch Grenzen setzen, damit das Miteinander funktionieren kann.“ Wichtig sei auch, dass Kinder scheitern dürften, und dass sich Bildungsbeauftragte nicht gleich entmutigen ließen, wenn eines ihrer Konzepte einmal nicht auf Anhieb funktioniere, so Schwier.

Die Städteregion geht bei der Beteiligung von Jugendlichen im schulischen Bereich voran. „Wir setzen dabei stark auf die Schülervertretungen. Politische Partizipation funktioniert unserer Erfahrung nach besonders gut, wenn die Jugendlichen untereinander zusammenarbeiten“, sagte Markus Terodde, Bildungsdezernent der Städteregion.

Die Fäden aus den Schülervertretungen der Städteregion laufen bei Sina Jansen und Ines Alberding zusammen. Sie machen ihr Freiwilliges Politisches Jahr im Bildungsbüro, sammeln dort die Anregungen aus den Vertretungen und bringen diese etwa mit Jugendorganisationen von politischen Parteien zusammen.

Obwohl das Mitspracherecht für Kinder ein wenig wie ein nettes Zugeständnis der Erwachsenen klinge, müsse man das durchaus ernstnehmen, sagte Lothar Krappmann. Er ist Soziologe und international anerkannter Forscher im Bereich Kinderpolitik und war in dieser Funktion von 2010 bis 2013 auch Mitglied im Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen.

„Das Recht auf Gehör, wie die Kinderrechtskonvention die Einbeziehung der Kinder nennt, ist keinesfalls nur Wohlwollen von uns Erwachsenen. Es ist ein fundamentales Menschenrecht, das unbedingt eingehalten werden muss“, erklärte er. Es gelte daher das Prinzip, dass ein Kind, sobald es sich zu einem Sachverhalt eine eigene Meinung bilden kann, auch gehört werden muss. Wo dies noch nicht möglich sei, müssten diese zumindest beteiligt werden, betonte Krappmann.

Die Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen beschlossen und ist inzwischen von 196 Ländern weltweit ratifiziert worden. Sie füllte zum besonderen Schutz von Kindern und Jugendlichen eine Lücke in der bereits bestehenden Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Bis heute wird an diesem Datum der Internationale Tag der Kinderrechte gefeiert.